Exerzitien mit P. Pius

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Was hast du gemacht aus deinem Leben?

(34. Sonntag im Lesejahr A - Christkönigssonntag; Mt 25, 31 - 46)

Jeder Schüler würde sich wohl darüber freuen, wenn er schon vor der Klassenarbeit die Fragen wüsste, die dann kommen und die er zu beantworten hat. Das wäre toll!

Denn dann könnte er sich ganz gezielt darauf vorbereiten und sich mit allen Kräften darauf einstellen.

 

Jesus hat im Voraus gesagt, was er jeden Menschen einmal fragen wird. Wir haben es so eben im Evangelium gehört.

Wir wissen also, was Sache ist. Wir wissen, worauf es ankommt.

Und wir sind in der glücklichen Lage, jetzt schon etwas dafür tun zu könne. Wir können uns jetzt schon dafür bereiten. Wir können uns jetzt schon darauf einstellen.

 

Am Ende unseres Lebens werden wir gefragt: „Was hast du gemacht aus deinem Leben?“

Das fragt uns aber nicht einer aus einer Prüfungskommission, der die Punkte unserer Leistungen zusammenzählt.

Das fragt uns auch nicht ein Gebote- Verbote- oder Aufpassergott.

 

„Was hast du gemacht aus deinem Leben?“

Der uns das fragt, ist der, der Mensch geworden ist, einer von uns, unser Bruder.

Das fragt uns der, der das Leben mit uns geteilt hat, der Freude und Leid erfahren hat wie wir.

 

„Was hast du gemacht aus deinem Leben?“

Das fragt uns der, der ein Freund der Armen und Kranken war.

Das fragt uns der, dessen Wirken den Ausgegrenzten galt, den Schwachen und in Schuld verstrickten.

Das fragt uns der, der will, dass wir einander lieben, wie er uns geliebt hat.

Das fragt uns der, der uns in der Fußwaschung ein Beispiel dienender Liebe und liebender Hingabe geschenkt hat.

Und wenn der uns fragt, was wir gemacht haben aus unserem Leben, dann will er nicht wissen, was wir alles haben kaufen und uns leisten können. Er fragt auch nicht, wie reich wir waren, was wir alles besessen haben oder wohin wir reisen konnten.

 

Es mag sehr überraschen: aber hier, im letztgültigen Moment, werden wir auch nicht nach der Religion oder Konfession gefragt, auch nicht nach dem Gottesdienstbesuch oder dem Empfang der heiligen Sakramente, weder nach Eucharistie noch Liturgie, auch nicht nach Wallfahrten, die wir gemacht haben, auch nicht nach der Einhaltung von Glaubenslehren, geschweige denn nach den vielen Dingen, von denen die Beichtspiegel voll sind.

 

Der Weltenrichter fragt nach ganz anderen Sachen.

Er fragt nach dem Butterbrot, das wir einem geschmiert haben, der Hunger hatte.

Er fragt nach dem Glas Wasser, das wir einem gereicht haben, der Durst hatte.

Er fragt nach dem Mantel, den wir einem übergezogen haben, der fror, nach dem Besuch, den wir am Krankenbett gemacht haben.

Er fragt nach dem freundlichen Wort, das wir in aller Hektik doch noch übrig hatten für einen anderen.

Er fragt nach dem Trost, den wir gespendet und nach der Hilfe und Güte, die wir einem anderen in Not erwiesen haben.

 

Lauter kleine Dinge, die wir uns gar nicht gemerkt haben.

Getan – und schon wieder vergessen. Nicht der Rede wert.

Aber für den, der nach unserem Leben fragt, für den, der uns fragt, was wir gemacht haben aus unserem Leben, für den ist es der Rede wert.

 

Eine Legende berichtet von einem Menschen, der unversehens starb und nun vor den himmlischen Richterstuhl treten musste.

Beklemmung stieg in ihm auf, denn die Bilanz seines Lebens erwies sich als ziemlich dürftig.

Vor ihm eine lange Reihe. Er wartete und hörte genau zu.

Zum ersten in der Reihe sprach der Herr, nachdem er die große Liste durchgesehen hatte: Ich finde hier: als ich Hunger hatte, gabst du mir zu essen. Gut so! Geh ins Paradies!

Zum zweiten sagte er: Ich hatte Durst und du gabst mir zu trinken.

Zum dritten: Ich war im Gefängnis und du hast mich besucht.

Und so weiter. Bei jedem der ins Paradies geschickt wurde, prüfte sich der Mensch. Seine Beklemmung nahm zu.

Er hatte weder Gefangene noch Kranke besucht. Jetzt kam er an die Reihe. Voller Furcht schaute er auf zum Herrn.

Christus erhob die Augen und sagte zu ihm:

Viel steht da nicht. Doch etwas hast auch du getan:

Ich war traurig, mutlos, niedergeschlagen und du bist gekommen und hast mir lustige Sachen erzählt.

Du hast mich zum Lachen gebracht, du hast mich froh gemacht, du hast mir wieder Mut gemacht. Gut so! Geh ins Paradies!

 

Elisabeth von Thüringen hat nicht nur Hungrige gespeist und Kranke gepflegt. Ein Wort von ihr lautet: „Ich habe immer gesagt, dass wir die Menschen froh machen müssen.“

 

Nicht wenige Menschen können anderen Menschen nicht mehr durch ihren Einsatz und durch ihr Zupacken helfen. Sie sind nicht mehr in der Lage durch soziale Dienste und caritatives Tun anderen beizustehen. Sie schenken aber ihren Mitmenschen ihr Gebet.

 

Ich kenne viele betagte Ordensschwestern, die nicht mehr viel machen und leisten können, die sehr gebrechlich sind, vielleicht sogar bettlägerig. Aber sie falten die Hände, sie beten den Rosenkranz, sie tragen ihre Angehörigen, ihre Gemeinschaft, ihre Pfarrgemeinde, die Kirche, ja die ganze Welt zu Gott.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir haben vielleicht am Schluss unseres Lebens keine großen Werke vorzuweisen. Aber es müssen auch gar keine großen sein. Worauf es ankommt ist die Liebe. Allein die Liebe zählt.

Und der Mensch, der nächstbeste Mensch, was wir einem von ihnen getan haben, das haben wir IHM getan.

 

Von hl. Albert stammt das Wort:

„Wer seinem Nächsten zu Hilfe kommt in seinem Leid, sei es geistlich oder weltlich, dieser Mensch hat mehr getan als derjenige, der von Köln bis Rom bei jedem Meilenstein ein Münster errichtetet.“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Im Gegensatz zu Schülern vor der Klassenarbeit wissen wir, wonach wir einmal gefragt werden am Ende unseres Lebens.

Wir wissen, was dann Gewicht hat und worauf es ankommt.

Jesus hat es uns gesagt. Im Evangelium heute haben wir es gehört.

Und so können wir uns jetzt schon ganz gezielt darauf vorbereiten.

Wir können hier und heute schon alles dafür tun, dass wir am Ende auf der Seite des Lebens und des Heiles stehen, dass wir zum Leben finden in Gottes Licht und in seiner Freude.

 

Am Schluss unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir gefragt werden.

So gesehen, liebe Schwestern und Brüder, entscheidet gar nicht der Weltenrichter, wer auf die Seite des Lebens kommt oder nicht. Wir selber haben es in der Hand.

Wir selber zeigen durch unser Tun oder Nichttun, ob wir in tödlicher Ferne von Gott leben oder in heilvoller Gemeinschaft mit ihm.

Die Liebe zum Nächsten ist der Maßstab.

Auf die täglich geübte, praktisch und konkret gelebte Liebe kommt es an. Sie entscheidet. Allein die Liebe zählt.

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