Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Jahreskreis B Kommt und seht

Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit
   Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

"Kommt und seht"

 

Die Ausgangssituation:

Johannes der Täufer steht mit zwei Jüngern am Ufer des Jordan.

Jesus geht vorüber.

 

Was geschieht?

Der Täufer richtet seinen Blick auf Jesus und sagt:

„Seht das Lamm Gottes!“

 

Wie reagieren die Jünger?

Sie sagen kein Wort.

 

Aber es passiert etwas Entscheidendes:

Die beiden Johannesjünger lösen sich von ihrem bisherigen Meister und gehen hinter Jesus her.

 

Da wendet sich Jesus um.

Sie blicken auf Jesus und er blickt auf sie.

 

Und dann wird’s spannend:

Jesus fragt:

„Was wollt ihr?“

 

Es ist das erste Mal, dass Jesus im Johannesevangelium spricht. Und seine ersten Worte sind diese: „Was wollt ihr?“

Genauer übersetzt fragt Jesus: „Was sucht ihr? Was ersehnt ihr?“

 

Das ist offenbar die erste Frage, die an den gerichtet werden muss, der zu Jesus kommt, über die er sich klar werden muss.

 

Nach einem Wort von Nelly Sachs beginnt alles mit der Sehnsucht. Jeder hat Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen. Jesus nimmt alle Erwartungen und Sehnsüchte ernst. Aber er führt den, der zu ihm kommt, von den vorläufigen und vordergründigen Wünschen tiefer.

Er konfrontiert ihn mit der Frage: „Worauf richtet sich deine tiefste Sehnsucht? Worum geht es dir letztlich?“

 

„Was sucht ihr?“ Auf was seid ihr aus? Was ersehnt ihr euch? Verdutzt, vielleicht auch verlegen, fällt den beiden keine Antwort ein. Stattdessen stellen sie eine Gegenfrage:

 

„Meister, wo wohnst du?“

Wenn die beiden Jesus fragen: „Meister, wo wohnst du?“ dann geht es ihnen gar nicht um die Adresse oder äußere Lebensumstände, sondern sie wollen Jesus persönlich kennenlernen.

Die beiden wollen vom Herrn wissen: Wie lebst du? Woher bist du? Wer bist du? Vielleicht auch: Wo bist du zu Hause? Wo bist du beheimatet? Worauf baust du? Worauf vertraust du?

 

Die Antwort Jesu überrascht. Er hält ihnen keinen Vortrag. Er gibt ihnen auch keinen Flyer in die Hand oder ein Buch, wie wir es heute vielfach tun, wenn jemand zu uns kommt. „Da, nimm! Lies das mal! Dann weißt du Bescheid.“

 

Jesus sagt ganz einfach: „Kommt und seht!“

Schaut selber! Lebt mit mir! Dann werdet ihr nicht nur hören, sondern erleben, wo ich wohne, wo ich verwurzelt bin, woraus ich lebe, woher ich bin, wer ich bin.

Keine Erklärungen, keine Theorien, keine Dogmen, keine Moral. Nichts dergleichen. Stattdessen die höchst persönliche Einladung: „Kommt und seht!“ – Niemand soll blind glauben, sonder selber Erfahrungen machen, sich überzeugen, finden.

 

Zu einer Zeit als die Christen noch eine Minderheit im römischen Reich waren, wurde Bischof Ambrosius einmal gefragt, wie er es machen würde, einen Heiden zu bekehren. Da hat er geantwortet: „Ich würde ihn eine Zeitlang in mein Haus aufnehmen und bei mir wohnen lassen.“

 

„Kommt und seht!“ Im persönlichen Beisammensein, gleichsam „bei Jesus zu Hause“ können auch die beiden Jünger ihn am besten kennenlernen und erfahren, wer er wirklich ist.

 

„Kommt und seht, wo ich wohne!“ – Mit dieser Einladung sollen die Jünger erfahren, wo Jesus im tiefsten beheimatet ist, wo er letztlich seinen Ursprung und seine Wurzeln hat.

Wir können sagen: Im Geheimnis Gottes, im Vater, von dem er ausgegangen ist. Später wird Jesus sagen: „Wer mich sieht, sieht auch den Vater. Ich und der Vater sind eins.“ – Wie kein anderer kommt Jesus von Gott. Wie kein anderer ist er Wohn- und Bleibe-Ort Gottes. In Jesus wohnt die ganze Fülle der Gottheit.

 

Und eben dort, im Vater, werden auch die Jünger Heimat finden können und Heimat finden dürfen, wenn sie Jesus begegnen, auf ihn schauen, auf ihn hören, mit ihm gehen, bei ihm bleiben und immer mehr in ihm bleiben.

„Und die sahen, wo er wohnte.“

Die beiden Jünger nehmen die Einladung an. Sie gehen mit. Es wird nun nichts darüber gesagt, was sie erlebt oder was sie mit Jesus gesprochen haben.

 

Was lernten sie kennen? Seine Einstellung, seine Gesinnung, sein Wesen. Sie lernten zu leben wie er. Und sie gewannen dabei seine Nähe, die Freundschaft mit Jesus. Im Sein bei Ihm, im Bleiben bei ihm ging den beiden auf und sie nahmen mit innerer Freude wahr: Jünger Jesu sein, das heißt: In Einheit und Gemeinschaft mit dem Herrn zu leben, bemüht zu sein, immer mehr ein Herz und eine Seele mit ihm zu werden und danach zu streben, das Sinnen seines Herzens zum Sinnen des eigenen Herzens zu machen.

 

Am Ende dieses Berichtes der Jüngerberufung nach dem Johannesevangelium stehen noch zwei schlichte, aber doch aussagekräftige Bemerkungen:

 

Die erste: „Sie blieben jenen Tag bei ihm.“

Kein Wunder, dass sie bleiben. Sie sind fasziniert von seiner Ausstrahlung. Sie fühlen sich angenommen, ernst genommen, bejaht und geliebt. Sie haben gefunden, was sie suchen, den sie suchen, den, der ihnen Weg, Wahrheit und Leben ist.

 

„Sie blieben jenen Tag bei ihm.“

Und aus dem einen Tag werden 3 Jahre und ein ganzes Leben.

 

„Bleiben“ ist ein Schlüsselwort in den johanneischen Schriften. Es bezeichnet an vielen Stellen das Bleiben Jesu im Glaubenden und das Bleiben des Glaubenden in Jesus.

„Bleiben“ ist ein großes Thema bei Johannes.

„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch!“ „Bleibt in meiner Liebe!“

„Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“

„Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht!“

 

Bleiben, eine Bleibe haben, Geborgenheit und Sicherheit erfahren ist ein Urbedürfnis des Menschen. Die echte Bleibe ist für den Menschen nicht diese Welt, nicht das irdische Leben. Wir haben hier keine dauerhafte Bleibe. Niemand bleibt hier. Unsere wirkliche Bleibe ist Gott und ist jetzt schon in Gott.

 

Die zweite schlichte Bemerkung am Ende dieser Perikope lautet:

„Es war um die zehnte Stunde.“

Noch nach Jahrzehnten weiß der Verfasser des Evangeliums die Stunde dieser ersten Begegnung mit Jesus. Ein großer, ein bedeutender Augenblick war das! Unvergesslich!

Selbst im hohen Alter erinnert er sich genau, wann es war, wie es war. Ganz tief hat es sich ihm eingeprägt. Wie Liebe auf den ersten Blick!

 

„Es war um die zehnte Stunde.“

In dieser kleinen Bemerkung des Evangelisten spüre ich das Gefühl der Freude und des Dankes. Freude und Dankbarkeit, die ihn überkommen, wenn er an jenen Tag und jene Stunde zurückdenkt. Eine Glücksstunde! Die Gnadenstunde seines Lebens! – IHM begegnen, mit IHM sein, bei IHM sein, seine Nähe erfahren, seine unmittelbare Gegenwart, das war es. Mit IHM leben und immer mehr wie ER. Das füllte und erfüllte das Herz.

 

Wovon das Herz voll ist, davon läuft bekanntlich der Mund über. Aus der Begegnung entspringt Zeugnis, Zeugnis für Christus. Schon beginnt das Fruchtbringen.

 

„Wir haben den Messias gefunden“, sagt Andreas zu seinem Bruder Simon. Wer gefunden hat, kann andere zum Suchen bringen. „Und er führte ihn zu Jesus.“ – Der Berufene wird sogleich selbst zum Rufenden und zum Wegbegleiter zu Christus. Berufung zieht Kreise, schlägt Wellen. Philippus und Nathanael stoßen als Nächste dazu und beginnen das Wagnis der Nachfolge.

 

Bin ich, der ich Christi Namen trage, der ich getauft und gefirmt bin, ein glühender, ein leidenschaftlicher Christ? Ist bei mir so etwas wie Begeisterung für Gott, für Jesus und seine Sache, Glaubensfreude und missionarischer Schwung?

 

Christen sind missionarische Menschen!

Ist mir die Weitergabe des Glaubens ein Anliegen? Gebe ich Zeugnis von meinem Glauben, nicht nur mit Worten, sondern im Beispiel, in der Tat?

Evangelisierung, Neuevangelisierung ist heute etwas vom Allerwichtigsten. Dazu müssen wir nicht Priester sein oder einem Orden angehören. Eltern und Großeltern sind die ersten und berufensten Glaubensboten für ihre Kinder und Enkel.

 

Wie wäre es, wenn die nächste Sitzung des Pfarrgemeinderates erst dann einberufen würde, wenn jedes Mitglied – vom Pfarrer angefangen – einen dem Glauben und der Kirche Fernstehenden „zu Christus geführt“ hat?

Wie wäre es, wenn für eine Bischofsernennung nicht die Intelligenz, der Doktortitel oder ob einer in Rom studiert hat wichtig wäre, sondern wenn unter den Kandidaten der Glaubwürdigste im Christsein gewählt würde, derjenige, der schon einmal einen Atheisten zum Glauben bewegt hat?

 

Jesus hat nicht gesagt: Seid Hochschullehrer, sondern Glaubenszeugen!

 

Appelle helfen wenig. Druck bringt nichts. Theorien haben wir genug. Das Zeugnis ist gefragt, das lebendige Beispiel.

Glauben entzündet sich am Glauben. Nur Ergriffene ergreifen!

 

Ein bedenkenswertes Wort lautet: „Rede nur, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass du gefragt wirst!“

 

   Druckansicht

 

Seitenanfang