Exerzitien mit P. Pius

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Trauung

(Predigt bei einer Trauung am 02. September 2006)

Liebes Brautpaar!

 

Heute dreht sich alles um euch. Aus nah und fern sind Verwandte und Freunde gekommen, um einen festlichen Kreis zu bilden. - Ihr steht im Mittelpunkt, ihr, die ihr vor Gottes Angesicht den Bund der Ehe für ein ganzes Leben lang schließen wollt.

Von dem franz. Schriftsteller Peguy stammt der Ausspruch:

„Die Abenteurer des 20. Jahrhundert. werden die christlichen Eheleute sein.“ Und ich möchte hinzufügen: des 21. Jahrhunderts erst recht!

Vielleicht fragt ihr: Christliche Eheleute Abenteurer? Ist das nicht zu kühn? Was ist denn an einer christlichen Ehe Besonderes?

Aber, liebes Brautpaar, liebe Hochzeitsgäste: Ist das christliche Ehe- und Familienleben heute nicht tatsächlich etwas Besonderes?

Wo gibt es noch wahrhaft christlichen Ehen und Familien, die sich vom Geist Jesu prägen lassen und auf die Stimme der Kirche hören?

Wir Priester erleben es immer wieder, wie die kirchliche Trauung zur bloßen Dekoration benutzt wird, als feierlicher Rahmen, der den Hochzeitstag verschönern soll. Ihr denkt nicht so. Ihr habt es euch reiflich überlegt. Ihr habt euch bewusst für diese Trauungsmesse entschieden und ihr habt diesen Gottesdienst gut vorbereitet. Ihr habt selbst die Texte und Gebete, die Lieder und Musikstücke ausgesucht. Ihr seht in dieser Feier etwas Großes, etwas, das Euch wichtig ist und ganz persönlich angeht.

 

„Die Abenteurer des 20. Jh. werden die christlichen Eheleute sein.“ - Ist da nicht tatsächlich viel Wahres dran? Herrschen in unserer Zeit nicht recht eigenartige Vorstellungen von Ehe und Liebe? Und wer spricht noch von Treue? Ist das christliche Ideal von Ehe und Familie nicht erheblichen Schwierigkeiten ausgesetzt? Sind Eheleute, die sich durch Dick und Dünn die Treue halten, nicht schon bald die Ausnahme? Und sind sie nicht tatsächlich Abenteurer? Auch das öffentliche Klima ist gegenüber Ehe und Familie nicht immer freundlich. Die Würde und der Wert von Ehe und Familie verblasst mehr und mehr.

Sie alle, liebe Hochzeitsgäste, wissen es so gut wie ich, dass viele Ehen heute nicht mehr vom Geist Christi geprägt sind, sondern von einem Zeitgeist, der die Liebe auf Widerruf propagiert.

Immer mehr junge Menschen in unserem Land bringen es nicht mehr fertig, das Wagnis der Ehe einzugehen. Sie haben Angst, sich zu binden. Sie bringen es nicht mehr fertig, sich die Treue zu versprechen. Immer mehr sind es, die es nicht wagen, sich ganz hinzugeben, ganz „Ja“ zu sagen, auf Dauer, für immer, mag kommen, was mag. Sie lieben sich auch, sagen sie, aber kalkulieren schon ein, dass sie sich in absehbarer Zeit nicht mehr mögen.

Ist aber Liebe mit Vorbehalt wirklich Liebe? Lieben sich Menschen, die es auf Probe, auf Widerruf tun echt, wirklich, ganz? Fehlt es, wenn ich das Hintertürchen zum Aussteigen von vornherein miteinplane nicht am wichtigsten, am Vertrauen?

Wissen Sie, was mich bei einer kirchlichen Trauung jedes Mal tief berührt? Wenn die Brautleute zueinander sagen: „Ich nehme dich an.“ Ich nehme dich an nicht für einen Moment oder eine kleine Weile oder für eine gewisse Zeit, solange man noch verliebt, jung, schön, fit und dynamisch ist, sondern für immer, bis ins hohe Alter in Freud und Leid, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Und nicht nur einen Teil nehme ich an vom andern, das Stück, das mir gefällt, die Seite, die einem nett, zuvorkommend und liebenswert oder großartig erscheint, sondern auch die Ecken und Kanten, alles Vorläufige, alle Grenzen und Kleinheiten. Ich nehme dich an, nicht wie ich dich träume oder malen möchte, sondern so wie du bist.

Ja, das berührt mich bei der Feier der Vermählung immer wieder, aber nicht nur wegen der beiden, die den Mut dazu haben, sondern weil mir die beiden wie ein Zeichen sind für das, worauf es ankommt bei uns allen. Besteht nicht eines unserer wichtigsten Grundbedürfnisse darin, angenommen zu sein. Ist es nicht das, was den Menschen froh und frei macht und ihn aufblühen lässt?

 

Liebes Brautpaar, Sie sagen heute in aller Öffentlichkeit und vor Gott: wir wollen einander lieben und uns treu sein, solange wir leben. Wir wollen zueinander halten, uns achten und ehren ein Leben lang. Ja, Ihr seid wirklich Abenteurer! Ihr wagt etwas Großes! Ihr stellt euch „der Herausforderung des Lebens, der Liebe“ (D. Steindl-Rast). Ihr setzt ein leuchtendes Signal.

Inmitten einer Welt der Selbstsucht u. der Habgier, des Unfriedens u. des Hasses gelobt Ihr Euch, von nun an nicht mehr nur an Euch selbst zu denken, alles gemeinsam zu haben und zu tragen, einander beizustehen und zu helfen, alles zu teilen, Freud und Leid, und einander Stütze und Halt zu sein.

Inmitten einer Welt, in der so viele achtlos aneinander vorbei laufen, sich gegenseitig ausnützen, einander beneiden und misstrauen, da sagt Ihr: Wir wollen einander trauen! Wir wollen einander lieben!

Ihr wagt in dieser Stunde etwas Großes: das Abenteuer einer christlichen Ehe. - Abenteuer auch insofern als der Weg, den Ihr beide ab heute beschreitet - streckenweise wenigstens - im Dunkeln liegt. Wir wissen nicht, was die Zukunft im einzelnen bringt. Manches wird leichter, anderes schwerer. Vieles kommt vielleicht anders als Ihr denkt.

Immer gleicht das Leben einer kurvenreichen Strecke. Man sieht nur bis zur nächsten Straßenbiegung. Es gibt Umwege, Abwege, Sackgassen, aus denen man allein nicht herausfindet. Deshalb ist Eure Liebe, Euer Vertrauen, Eure Treue so wichtig.

Es ist wichtig, dass Ihr einander annehmt, einander gelten lasst, so wie jeder ist und wie er sein wird. Der wahrhaft Liebende wächst mit dem Geliebten.

Ich finde: das ist gerade das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit dem Menschen, den wir lieben nie fertig sind: weil wir ihn lieben und solange wir ihn lieben!

Unfassbar, aller Geheimnisse voll, ist der Mensch, den man liebt! Das eigentlich Lieblose, der eigentliche Verrat ist das Bild, das man sich von dem anderen macht. Damit beginnt alle Enttäuschung und Entfremdung. - Liebe presst den anderen nicht in einen Rahmen. Liebe macht keinen Entwurf und sieht zu, dass der andere dem Entwurf ähnlich wird, sondern Liebe befreit aus der Festlegung, aus dem Bildnis. Liebe sprengt alle Rahmen und Entwürfe. „Einen Menschen lieben, heißt ihn so sehen, wie Gott ihn gemacht hat.“

 

Liebes Brautpaar!

Wie kommt Ihr dazu, das Wagnis, „das Risiko“ eines gemeinsamen Lebens einzugehen? Wie könnt Ihr den hohen Anspruch einer christlichen Ehe erfüllen? Ist das nicht eine Überforderung? Übersteigt das nicht Eure Kräfte?

Die Antwort heißt: Ihr seid von Gott geliebt. Und: Furcht ist nicht in der Liebe.  Seid also nicht bange in dieser Stunde, da Ihr „Ja“ sagt zueinander. Gott hat in seinem Sohn sein Ja zu uns Menschen gesagt. Er sagt „Ja“ jetzt zu dem Bund, den Ihr in dieser Stunde schließt. Und seine Kraft geht alle Wege mit.

Nehmt nicht nur heute, seid jeden Tag Gott in Eure Mitte. Verbindet Euch mit IHM. Lasst IHN den Dritten sein in Eurem Bund.

Seht Eure Liebe zueinander als ein Abbild der Liebe Gottes.

Sagt „Ja“ zueinander, weil und wie Gott zu Euch ja sagt, ganz , vorbehaltlos. Nehmt einander an, ertragt einander in den unausbleiblichen Spannungen und Kümmernissen des Lebens.

Ganz wichtig: Steht zu einander auch im Versagen! Verzeiht einander immer wieder! Tragt nicht nach! Geduld ist die Alltagsform der Liebe. Verzeihen ist der Ernstfall und die Höchstform.

Liebende leben von der Vergebung. Ja, es ist sogar so: die Liebe wächst durch die Vergebung.

Immer wieder frage ich mich: Warum halten die Menschen die Liebe nicht durch? Warum wird es so schwer, wenn man täglich miteinander lebt? - Ich glaube: Man verlangt vom anderen zuviel. Der andere soll freundlich sein. Der andere soll mich bewundern, mich auf Händen tragen, für mich durchs Feuer gehen. Wir denken zuwenig daran, was wir dem anderen schuldig sind, was wir ihm geben können, was wir einbringen und tun können.

Liebes Brautpaar, sagen Sie nicht zu schnell zu einander: „Du liebst mich nicht“, solange nicht jeder selbst alles gegeben hat. Und versucht Eure Liebe jeden Tag neu umzusetzen, Euer Jawort hineinzubuchstabieren in den Alltag.

Seht: die Liebe ist wie ein großer Geldschein. Er will und soll täglich in kleine Münzen umgewechselt werden. Lernt die Kunst der kleinen Schritte: Sich immer wieder etwas einfallen lassen, was den anderen froh macht. Seid nicht knauserig mit Zeichen und Gesten Eurer Liebe im Alltag! Seid dankbar!

Jetzt aber schenkt Gott Euch seine Nähe, seinen Schutz und seinen Segen. Sucht immer wieder die Verbindung mit IHM. Vergesst das Beten nicht! Bleibt in SEINER Liebe und in der Liebe zueinander! Entlasst Euch nie gegenseitig aus Eurem Herzen!

 

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