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Ich bin die Auferstehung und das Leben zum Evangelium am 5. Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr A; Joh 11, 1 - 45
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Liebe
Schwestern und Brüder! Sieben
Machttaten, Wunder – der Evangelist Johannes nennt sie „Zeichen“ – tut
Jesus im Johannesevangelium.
Heute,
am 5. Fastensonntag – zwei Wochen vor Ostern – haben wir das letzte und
größte dieser Zeichen vor Augen geführt bekommen: die Auferweckung des
Lazarus. Vier Tage lag er bereits im Grab, als Jesus ihn vom Tod ins
Leben zurückführte.
Allerdings,
bevor Jesus seine Macht über den Tod an Lazarus erweist, geht in der
Erzählung einiges voraus. Und es fällt auf und ist interessant, dass in
diesem „Vorspann“ nicht der verstorbene Lazarus im Mittelpunkt steht,
sondern seine beiden Schwestern: Marta und Maria.
Wenn wir genau hinschauen, dann sehen wir –
besonders in der Begegnung Jesu mit Marta –, dass es dem Evangelisten
nicht so sehr um die Wundertat an sich geht, sondern dass es ihm darum
geht zu zeigen, wer Jesus für uns Menschen ist und sein will. Jesus
offenbart sich nämlich mit einem der „Ich-bin-Worte“, die für das
Johannesevangelium typisch sind. Er sagt im Laufe des Gespräches mit
Marta: „Ich bin die Auferstehung und
das Leben.“
Doch zunächst – nach dem Tode ihres Bruders –
eilt Marta Jesus entgegen. Und als sie Jesus begegnet, eröffnet sie das
Gespräch mit einer Mischung aus Vorwurf und Vertrauen. – Sie ist
überzeugt: Wenn Jesus da gewesen wäre, dann wäre ihr Bruder nicht
gestorben. Doch immer noch traut sie Jesus einiges zu:
„Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du
Gott bittest, wird Gott dir geben.“ Und
Jesus verheißt ihr: „Dein Bruder wird
auferstehen.“ – Doch das Unerhörte
dieser Antwort hört Marta nicht. Es übersteigt ihre Hoffnung, die sie in
Jesus setzt. – Und wie reagiert Marta? Sie antwortet: „Ich
weiß, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Letzten Tag.“
– Die Auferstehung der Toten am Ende der Zeit, das ist Martas Hoffnung
für ihren verstorbenen Bruder – nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Aber Jesus meint mehr. Ganz eindrucksvoll sagt
er ihr zu und offenbart sich dabei selbst als die Erfüllung von Martas
Hoffnung auf Leben – nicht irgendwann einmal, sondern jetzt schon.
Nicht: Ich werde sein, sondern: „Ich
bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch
wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit
nicht sterben.“
Mit dieser Antwort durchbricht Jesus die
Auferstehungshoffnung der Marta, welche auf die Endzeit, den letzten
Tag, beschränkt ist. Er führt sie aus der Zukunft in die Gegenwart und
auf sich selbst hin. – Seine Antwort lautet: Auch für dich, Marta, bin
ich Auferstehung und Leben, hier und jetzt.
„Glaubst du das?“
Eine herausfordernde Frage, mit der Jesus Marta sowohl einen neuen
Glaubenshorizont als auch eine neue Lebensperspektive anbietet. – Und
tatsächlich: Ihre Antwort beinhaltet eines der dichtesten
Glaubensbekenntnisse des Neuen Testamentes:
„Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus
bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Martas
Glaubenseinsicht bekommt schließlich in der Auferweckung ihres Bruders
„Hand und Fuß“. Jesus befreit Lazarus aus dem Tod mitten ins Leben. An
ihm erweist er sich wahrhaft als Auferstehung und Leben. Liebe
Schwestern und Brüder! Jesus ruft
ins Leben, hier und jetzt – nicht nur Lazarus, sondern alle, die sich
von ihm aus den Gräbern begrenzter Hoffnungen und beschränkter
Lebenserwartungen herausrufen lassen. Er selbst ist das Leben. Das ist
seine Verheißung – für uns alle. Doch damit wir ihn in den kleinen und
großen Toden unseres Daseins wahrhaft als Auferstehung erfahren können,
braucht es unsere je eigene Antwort auf seine Frage, die über Tod und
Leben entscheidet: Glaubst du das?
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