geistliche Impulse

www.pius-kirchgessner.de

Predigt

von P. Pius Kirchgessner, OFMCap

 

Die erwarteten Früchte bringen

Freitag der 2. Woche der Fastenzeit; Mt 21. 33 - 43-45 - 46

 

Evangelium

Das ist der Erbe; auf, wir wollen ihn umbringen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes:

33Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.

34Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen.

35Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie.

36Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.

37Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.

38Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen.

39Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

40Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun?

41Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.

42Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen?

43Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.

45Als die Hohepriester und die Pharisäer seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach.

46Sie suchten ihn zu ergreifen; aber sie fürchteten die Menge, weil sie ihn für einen Propheten hielt.

 

 

Die Lage spitzt sich zu.

Die Auseinandersetzung Jesu mit seinen Gegnern wird immer schärfer.

Jesus droht das gleiche Schicksal wie Johannes dem Täufer und vor ihm anderen Propheten. Man will ihn zu Schweigen bringen.

 

Und so versucht Jesus seine Widersacher durch ein Gleichnis zur Einsicht und Umkehr zu bewegen. Er erzählt von einem Weinbergbesitzer und von dessen Weinberg.

 

Jesus wählt ein Bild, das seine Zuhörer kennen, das ihnen vertraut ist, und hofft so Zugang zu ihren Herzen und Verständnis zu finden.

Aber Jesus konfrontiert auch. Er stellt in seiner Erzählung die unendliche Güte und Langmut Gottes ihrem blind zerstörerischen und selbstgerechten Denken und Handeln gegenüber.

 

Der Gutsbesitzer, sprich Gott, dem der ganze Weinberg, nämlich Israel, gehört, schickt wiederholt Knechte, gemeint sind die Propheten, zu den Winzern, damit diese ihm den Ertrag abgeben mögen.

Die Winzer aber antworten nur mit Gewalt und Totschlag.

Sie verweigern dem Gutsbesitzer nicht nur seine Früchte, schlimmer noch, sie schlagen, steinigen und töten seine Boten.

 

Hat nun die Güte des Gutsbesitzers ein Ende?

Ist es mit der Gnade Gottes vorbei? – Nein!

Der Gutsbesitzer sendet seinen eigenen Sohn mit der Hoffnung, dass sie diesen achten und die Früchte bringen, die er von ihnen erwartet.

 

Der letzte Versuch ist der eigene Sohn. Wird es ihm, dem letzten und endgültigen Boten Gottes, besser ergehen?

 

Wir wissen, liebe Schwestern und Brüder:

Was Jesus im Gleichnis vom Schicksal des Sohnes erzählt, dass sie nämlich nicht auf ihn hören, ihn missachten, verstoßen und umbringen, das ist auch für ihn selbst schon bald bittere Wirklichkeit geworden.

ER ist der Sohn, der nicht erkannt worden ist, auf den man nicht gehört hat, sondern den man kaltgestellt, den man grausam ermordet hat.

 

Aber nicht der Tod hat das letzte Wort. Christus hat uns geliebt und sich für uns hingegeben. Durch sein Blut, durch seinen Tod am Kreuz, durch seinen Sieg über Grab und Tod sind wir erlöst und befreit.

 

Als der Evangelist dieses Gleichnis aufschrieb, liebe Schwestern und Brüder, blickte er bereits auf Tod und Auferstehung Jesu zurück.

Für ihn ist jetzt Jesus „der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist.“ (V42)

Im Glauben oder Unglauben IHM gegenüber entscheidet sich von nun an Heil oder Unheil der Menschen.

 

Das neue Gottesvolk, die Kirche, soll bessere „Früchte“ bringen.

Es soll ein Volk sein, das gute Früchte bringt.

 

Ist die Kirche, sind wir, die wir alle selbst Kirche sind, die „besseren Pächter“? Bringen wir durch unser Leben jene Früchte, die der Herr von uns erwartet?

Jeden von uns hat der Herr zu einem Rebstock in seinem Weinberg berufen. Auch uns wird er einmal nach unseren Früchten fragen.

 

Und so stellt sich die Frage:

Wie kann ich meinen Glauben für mein Leben fruchtbar machen, vielleicht auch noch fruchtbarer als bisher?

 

Keine Angst, liebe Schwestern und Brüder, die „erwarteten Früchte“ bestehen nur zu einem geringen Teil aus vorzeigbaren Leistungen.

Vor Gott können auch leere und gebundene Hände – wie die ans Kreuz genagelten Hände seines Sohnes – „erfüllt“ und „fruchtbar“ sein.

Vor ihm ist auch ein schweres Schicksal, eine unheilbare Krankheit, ja jedes tapfer getragene Leiden eine kostbare Frucht.

So hat jeder und jede von uns seine und ihre Art geistiger Fruchtbarkeit.

 

Bitten wir Gott, dass er uns erkennen und vollbringen lässt, was er von uns will und erwartet.