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Die Darstellung ist ein Meisterwerk der ottonischen
Buchmalerei, entstanden um 980 im Kloster Reichenau.
Sie zeigt eine dynamische und zugleich tief
symbolische Szene der Himmelfahrt Christi.
BILDBESCHREIBUNG:
In der oberen Bildhälfte
sehen wir Christus in einer Mandorla, nicht passiv
„entschwebend“, sondern aktiv in den Himmel
hinaufschreitend. – Den Kreuzstab hat er mit der
linken Hand mühelos geschultert. Das Holz des
Kreuzes, das beim Aufst ieg
zum Golgotha noch schwer auf ihm lastete, ihn
schmerzte und niederdrückte, hat sich gewandelt. Es
ist golden und fühlt sich leicht an. Aus dem Zeichen
des Fluches ist ein Zeichen des Segens geworden, aus
dem Schandpfahl ein Zeichen des Sieges. Auch der
Heiligenschein des Herrn zeigt ein goldenes Kreuz.
J esus
wendet sich – seitlich aufsteigend – nach oben.
Durch die seitliche Drehung der Gestalt Christi und
durch die Bewegung der Füße wird die Mandorla, die
im Äthergrund zu schweben scheint, zum Bild des
Steigens. Es ist, als wäre dadurch der Weltraum von
der Kraft der Heimkehr des Menschensohnes erfüllt.
Christus schaut nach oben und streckt den rechten
Arm nach oben – der Hand Gottes entgegen, die von
oben aus dem Himmel kommt. Die Rechte des Vaters
ergreift die Rechte des Sohnes, um diesen zu sich
emporzuheben. Der Vater holt den Sohn heim.
In der unteren Bildhälfte sind elf Apostel zu sehen. Das ist die Zahl der
Apostel bei der Himmelfahrt des Herrn, ohne Judas,
den Verräter. Fünf Apostel befinden sich am linken
Bildrand und sechs am rechten. Alle sind den Engeln
zugewandt und schauen zugleich mit großen Augen,
staunend, nach oben zum Herrn, der sein Werk auf
Erden vollbracht hat und nun vor ihren Augen zum
Himmel emporgehoben wird.

Vor den Aposteln auf der linken Seite steht Maria auf einer
Erdscholle. Sie breitet die Arme aus und streckt die
Hände ihrem Sohn in der Höhe entgegen. – Maria trägt
als einzige Schuhe. Alle anderen Gestalten, die
Apostel, die Engel, der Auferstandene, sind barfuß.
Maria hat einen Heiligenschein, während die elf
Apostel keinen haben. Sie ist die „voll der Gnade“,
die Königin der Apostel.
Aus der Schar der Apostel auf der linken Seite ist
Petrus hervorgetreten. Wie Maria schaut er und weist
er mit ausgestreckten Armen nach oben.
I n
der Mitte unten – zwischen Maria und Petrus – sehen
wir zwei Engel, Gesandte, Boten Gottes. Sie stehen
auf der Höhe des Berges. Mit segnender Hand – der
eine mit der Linken, der andere mit der Rechten –
weisen sie energisch hinauf, dorthi n,
wo Jesus emporfuhr, um sich zur Rechten des Vaters
zu setzen und die Fülle des Segens herabzurufen auf
die Menschen.
Die zwei Engel tragen goldene Stäbe, die die Erde
berühren. Es ist, als wollten sie die zum Himmel
gewandten Gesichter der Jünger zurück zur Erde
lenken und verkünden: „Wiederkommen wird der,
wiederkommen zur Erde, den ihr zum Himmel habt
aufsteigen sehen
In drei waagrechten Zonen sind in Goldschrift die
Namen geschrieben. Zuoberst: DUO VIRI – ZWEI MÄNNER.
Das bezieht sich auf die beiden Engel. Dann ganz
links und ganz rechts auf gleicher Höhe: APOSTOLI –
DIE APOSTEL. Sodann darunter über zwei Gestalten,
links: SANCTA MARIA; rechts: PETRUS.
MEDITATION:
Nehmen Sie sich Zeit eine Weile das Bild zu
betrachten und es innerlich auf sich wirken zu
lassen:
Betrachten Sie die Hand Gottes! Sie ist fest und sicher. Stellen Sie sich vor, wie es sich
anfühlt, so gehalten und emporgezogen zu werden. –
Wo in Ihrem Leben wünschen Sie sich eine solche
Hand, die aus dem Schweren herausholt, eine Hand,
die hält und führt?
Schauen Sie auf Christus! Er schreitet. Himmelfahrt ist hier kein Verschwinden, sondern ein
Aufbruch in eine neue Dimension. – Welche Schritte
in Ihrem Leben möchten Sie mit Gottes Vertrauen
gehen, Schritte, die in mehr Weite und Freiheit
führen?
Sehen Sie die Jünger am unteren Bildrand! – Sie bleiben zurück. Aber ihr Blick ist nach oben gerichtet.
– Himmelfahrt bedeutet nicht Trennung, sondern eine
neue Art der Gegenwart. Jesus ist nun beim Vater und
zugleich durch seinen Geist bei uns und in uns. –
Was bedeutet diese unsichtbare Gegenwart Jesu für
Sie?
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