Exerzitien mit P. Pius

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Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten

(33. Sonntag - Lesejahr A)

„Das Leben ist nicht fair“, singt der Schauspieler und Musiker Herbert Grönemeyer in einem seiner Lieder. Er hat es seiner Frau gewidmet, die allzu früh verstorben ist.

Der Liedtext bringt zum Ausdruck, wie ungerecht das Leben mit den Hoffnungen und Ängsten der Menschen umgeht. Alles Mühen und Kämpfen scheint lächerlich. Alle Versuche, gegen die Macht des Schicksals anzugehen, sind zum Scheitern verurteilt.

„Auf der Schussfahrt zu wenden“ erweist sich als ein hoffnungsloses Unterfangen. „Das Leben ist nicht fair.“

 

Ist nicht auch das Resümee, das das heutigen Evangeliums zieht, unfair? „Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat.“

In der Welt geht´s so zu: Geld kommt zu Geld. Die Reichen werden reicher, die Armen immer ärmer. Soll das bei Gott auch so sein, dass Fett immer oben schwimmt? „Wer hat, dem wird gegeben; wer nicht hat, kriegt auch noch genommen, was er hat?“

Ein oft zitiertes Wort von Martin Buber lautet: „Erfolg ist keiner der Namen Gottes“. Aber hält es Gott dem heutigen Gleichnis zufolge nicht doch mit den Erfolgreichen, den Talentierten und Begabten, den Draufgängern und Siegertypen? Und straft er nicht die Minderbegabten, die Zukurzgekommenen, die Mutlosen, Ängstlichen und Schwachen, die Looser, die, die nichts haben und nichts vorweisen können? Andererseits: Wusste sich Jesus nicht insbesondere zu diesen gesandt? Ist das nicht ein Widerspruch?

Außerdem: Gibt es am Ende unseres Lebens, wie das Gleichnis nahe legt, doch die große Abrechnung? Christentum also doch Drohbotschaft statt Frohbotschaft? Druck und Angst und Hölle heiß machen, statt Erbarmen und Gnade? Nicht wahr, die Frage kann einem bei dem Gleichnis heute durchaus kommen.

Ich erinnere mich noch gut – es war in der 3. Klasse der Volksschule, da habe ich zum ersten mal dieses Gleichnis gehört. Und ich weiß noch gut, dass da in mir Unmut aufgestiegen ist. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit dem 3. Diener sympathisiert und mich ganz spontan mit ihm solidarisiert habe. Ich fand es nicht richtig, wie der 3. Diener am Schluss behandelt wird. Ich fand es richtig unfair, dass er so hart bestraft wird. Er tat mir einfach leid. War er nicht schon am Anfang bei der Verteilung der Gaben benachteiligt worden, zu kurz gekommen?

Was war denn so verkehrt an seinem Verhalten, habe ich mich gefragt. Er hat doch gut auf das im Anvertraute aufgepasst und es bewahrt. Er hätte es ja auch veruntreuen, vergeuden, versaufen, verspielen und verjubeln können wie der verlorene Sohn.

Nein, wohlbewahrt und unbeschadet konnte er es seinem strengen Herrn zurückgeben, als der kam und Rechenschaft forderte? Was war denn da so schlimm? Hat er es nicht gut gemeint?

Viel später - es war bei einem Exerzitienkurs – hat sich mir eine andere Sicht geöffnet. Unter den Teilnehmern war auch ein Anlageberater. Der sah das Gleichnis aus seiner Perspektive. Er erzählte, wie viele Menschen ihm Geld anvertrauen und natürlich erwarten sie, dass er mehr daraus macht. Keinem seiner Kunden könne er am Ende sagen: „Da haben Sie ihr Geld zurück. Ich habe es gut aufbewahrt.“ Kein Mensch würde dann mehr sein Kunde sein wollen. Und ihm selbst würde alsbald gekündigt. Über kurz oder lang wäre er seinen Job los.

 

Zurück zu unserem Evangelium. Um dieses Gleichnis zu verstehen, habe ich es für mich als hilfreich gefunden, nicht nur auf sein Ende schauen, sondern auch auf den Anfang. Da heißt es: „Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.“ Ist das nicht großartig? Welche Großzügigkeit! Was für ein Vertrauen! Ein riesen Vertrauensbeweis.

Die beiden ersten Diener entsprechen diesem Vertrauen. Sie handeln mit ihren Talenten und setzen ihre Gaben ein. Jeder der beiden verdoppelt, was er anvertraut bekommen hat.

Und der Dritte? Was macht der? Warum ist sein Herr enttäuscht von ihm? Was macht er falsch? Was ist da schief gelaufen?

 

Sein Hauptfehler liegt m. E. darin, dass er seinen Herrn fürchtet.

Er ist fixiert auf dessen Strenge und Autorität. Er registriert und nimmt gar nicht wahr, dass dieser großes Vertrauen in ihn setzt. „Er hatte Angst“, heißt es im Gleichnis. Vor lauter Angst, vergisst er seine Begabung, sein Talent, seine Geschicklichkeit und Fähigkeit. Er sieht nicht die Chance, sondern das mögliche Scheitern. Er wählt den Stillstand, statt das Risiko. Er hat Angst, etwas falsch zu machen und geht „auf Nummer sicher“. Angst aber ist in jedem Fall ein schlechter Ratgeber. Angst blockiert, Angst lähmt, Angst hemmt die Initiative. Der 3. Diener versagt, weil er übervorsichtig ist und nichts riskiert, sondern sein Geld lieber vergräbt.

Sehen Sie: Für die andern zwei war`s auch riskant, mit fremdem Vermögen Geschäfte zu machen. Bei ihnen stand sogar viel mehr auf dem Spiel. Es hätte alles schief gehen können. Aber sie hatten Mut und Vertrauen. Sie haben gewagt und gewonnen. „Wer wagt, gewinnt“, sagt ein Sprichwort.

Wie viel einer dazu gewinnt, ist nicht so wichtig. Der Diener mit den 2 Talenten muss keine 5 oder 10 daraus machen. Wie müssen nicht haushoch gewinnen. Wir müssen keine großartigen Leistungen vollbringen.

Hauptsache: gewirtschaftet, gearbeitet, gehandelt und nicht den Kopf in den Sand gesteckt und die Hände in den Schoß gelegt.

 

Vielleicht kennen Sie den Spruch: „Wer arbeitet, macht Fehler. Es soll Leute geben, die keine Fehler machen.“

Ich find’s schade, dass in dem Gleichnis nicht noch ein vierter Diener vorkommt. Einer, der mit seinem Kapital zu wirtschaften anfängt und alles tut, was in seinen Kräften steht, aber dann scheitert er, vielleicht macht er Konkurs oder hat einfach Pech und am Schluss steht er mit leeren Händen vor seinem Herrn.

Ich bin sicher: er wäre besser dagestanden als der, der sein Geld vergraben hat. „So was kann vorkommen“, hätte sein Herr verständnisvoll gesagt. „Das hätte mir auch passieren können. Jedenfalls hast du versucht, das dir Anvertraute zu nutzen und mehr daraus zu machen. Du hast dich gemüht. Du hattest Bereitschaft. Du hattest guten Willen. Das gilt mir soviel wie ein Werk. Ich will ergänzen, was dir fehlt. Hab keine Angst. Komm tritt ein, nimm teil an der Freude deines Herrn.“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Der springende Punkt in dem Gleichnis ist: Obwohl der Herr auch dem dritten Mann 1 Talent anvertraut – und auch 1 Talent ist eine Riesensumme Geld – also ihm ganz, ganz viel anvertraut und in ihn enormes Vertrauen setzt, macht dieser noch nicht einmal den Versuch, gescheit damit umzugehen und damit zu arbeiten.

Er ist übervorsichtig. Er hat – auf gut deutsch gesagt – Schiss.

So kommt’s, dass der Mann sich selbst nichts zutraut. Er scheut Einsatz und Hingabe. Er versteckt seine Möglichkeiten. Er verpasst seine Chancen. Noch mehr: er beantwortet das Vertrauen seines Herrn mit Misstrauen und Ängstlichkeit.

 

Für uns gilt:

Es genügt nicht, unversehrt zurückgeben zu wollen, was man für sein Leben mitbekommen hat. Gottes Gaben sind nicht dazu gedacht, dass wir sie in den Panzerschrank stecken oder im Safe verschließen. Wir sollen sie einsetzen. Wir sollen die Saat ausstreuen, damit Frucht wächst.

Was Gott von uns erwartet ist nicht Passivität, auch nicht sturer Gehorsam oder bloße Vertragserfüllung, sondern, dass wir glauben, hoffen und lieben und unsere einmalige Lebensaufgabe, so gut wir können, erfüllen.

 

Genau daran will uns Jesus mit seinem Gleichnis erinnern:

Vertu dein Leben nicht! Verplemper deine Möglichkeiten nicht! Lass deine Fähigkeiten nicht brach liegen. Glotz nicht nur in die Kiste! Hock nicht nur vor dem Computer.

Bei Exerzitien sage ich den Teilnehmern gern, vor allem wenn sich Mutlosigkeit, Ängstlichkeit, Verzagtheit oder Resignation zeigt:

„Tu, was du kannst, mit dem was du hast, dort wo du bist,

zur Ehre Gottes, zum Heil für dich und zum Segen für andere.“

Also: Mut und Vertrauen! Gott überfordert keinen. Er sendet sein Licht und seinen Geist, wenn wir darum bitten. Und Gottes Kraft geht alle Wege mit.

Von Roger Schutz, dem ersten Prior von Taize, stammt das Wort:

„Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast – und sei es auch noch so wenig!“ Ich füge gern hinzu: Das aber leb, setz es um, mach’s konkret!

Setzt das ein, was dir gegeben ist  - und sei es auch noch so wenig. Nutz das dir Anvertraute! Versuch es zu vermehren – und sei es auch noch so wenig! Stell dein Licht nicht unter den Scheffel! Entdeck, was in dir steckt, bring es zur Entfaltung, mach das Beste daraus!

Sei da, wo du gebraucht wirst, hilf, wo Hilfe nötig ist.

Scheu dich nicht, die Liebe zu üben, Geduld zu haben. Tritt für Frieden und Versöhnung ein! Übernimm Verantwortung! Kümmere dich um die Deinen und das dir Anvertraute.

So tust du Gottes Willen. So gewinnst du das Leben.

Denn „jede kleinste, selbstlose Hingabe, jede Teilnahme, jede Liebe macht uns nicht ärmer, sondern reicher“ (nach H. Hesse) und das Leben erfüllter.

 

„Nicht bewahren, sondern sich bewähren“, das ist der eigentlich mahnende Leitspruch, den uns das Evangelium heute mit auf den Weg gibt. Nicht bewahren, sondern sich bewähren!

 

Oder: „Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, dort, wo du bist!“

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