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Evangelium
Man wird den Menschensohn auf den Wolken des Himmels
kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. – Seid
wachsam und haltet euch bereit!
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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen
Jüngern:
29Sofort
nach den Tagen der großen Drangsal wird die Sonne
verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr
scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die
Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
30Danach
wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel
erscheinen; dann werden alle Völker der Erde wehklagen
und man wird den Menschensohn auf den Wolken des Himmels
kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit.
31Er
wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden
und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier
Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des
Himmels bis zum andern.
32Lernt
etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine
Zweige saftig werden und Blätter treiben, erkennt ihr,
dass der Sommer nahe ist.
33So
erkennt auch ihr, wenn ihr das alles seht, dass das Ende
der Welt nahe ist.
34Amen,
ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis
das alles geschieht.
35Himmel
und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht
vergehen.
36Doch
jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die
Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der
Vater.
37Denn
wie es in den Tagen des Noach war, so wird die Ankunft
des Menschensohnes sein.
38Wie
die Menschen in jenen Tagen vor der Flut aßen und
tranken, heirateten und sich heiraten ließen, bis zu dem
Tag, an dem Noach in die Arche ging,
39und
nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle
wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes
sein.
40Dann
wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer
mitgenommen und einer zurückgelassen.
41Und
von zwei Frauen, die an derselben Mühle mahlen, wird
eine mitgenommen und eine zurückgelassen.
42Seid
also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer
Herr kommt.
43Bedenkt
dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde
in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und
nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.
44Darum
haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt
zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Und wieder ist Advent. Freuen Sie sich darauf? Oder ist
Ihnen eher bange? Haben Sie gar Angst vor dem Advent? –
Die Frage ist berechtigt. Denn wenn ich richtig sehe,
ist der Advent, diese unmittelbare Zeit vor Weihnachten,
für viele Menschen eine Zeit, in der sie ganz besonders
stark inneren und äußeren Belastungen ausgesetzt sind. –
Ohne dass wir das wollen, werden wir jedes Jahr neu mit
vielfältigen Anforderungen und Erwartungen konfrontiert,
denen wir kaum ausweichen können und die uns zu schaffen
machen.
Wir wünschen uns eine ruhige
und besinnliche Adventszeit. Aber den wenigsten ist sie
vergönnt. Wir wünschen uns gerade jetzt Augenblicke der
Stille, der Sammlung, mehr Zeit für das Gebet und für
das Gespräch mit dem Ehepartner oder in der Familie. Wir
nehmen uns das jedes Jahr neu vor. Aber wir geraten
meistens auf‘s neue in den Sog der Hektik und Unrast und
werden fast aufgefressen von den vielen Aufgaben und
Anforderungen, die täglich auf uns zukommen. Enttäuscht
stellen wir dann fest: Wieder einmal will nicht
gelingen, was wir uns gerade für dieses Zeit vornehmen
bzw. uns von ihr erhoffen. Und unsere Sehnsucht nach
einem stillen Advent, wie wir ihn vielleicht in der
Kinderzeit noch erlebt haben, macht schmerzlich fühlbar,
wie sehr Termindruck, Unruhe und Anspannung unser Leben
bestimmen. Angesichts all dessen kann ich Menschen
verstehen, die offen bekennen:
„Ich habe Angst vor dem
Advent“.
Gegenüber solchen und ähnlichen Ängsten gibt es kein
Patentrezept. Doch könnten wir uns durch das Evangelium
vielleicht dazu ermutigen lassen, unsere Blickrichtung
zu weiten und versuchen über den Augenblick
hinauszuschauen. – Gerade weil der Gedanke an die
Wiederkunft des „Menschensohnes“ mit großer Macht und
Herrlichkeit kaum mehr eine entscheidende Rolle für
unser praktisches Leben als Christen spielt, ist
vielleicht hier der „blinde Fleck“ zu suchen, der uns
die Möglichkeit und Fähigkeit zu einem befreienden
Ausblick verstellt.
Der Evangelist Matthäus hat sein Evangelium an eine
Gemeinde geschrieben, die uns unbekannt ist. Die
Gemeindemitglieder sollten jedoch durch die Erinnerung
an das „Kommen des Herrn“ nicht in Angst und Schrecken
versetzt werden, sondern sie sollten dazu ermutigt
werden, über die gegenwärtigen Nöte und Zwänge
hinauszuschauen – auf jenen hin, der die einzige
immerwährende Freude und Erwartung sein kann, Jesus
Christus.
Dies einmal wirklich zu
erfassen und zu bedenken, könnte zu einer befreienden
Adventserfahrung werden. Dabei könnte uns bewusstwerden,
dass nicht nur unser Blick auf den kommenden Herrn
gerichtet ist, sondern dass der Blick des Menschensohnes
auch uns sucht. Der Herr schaut auf uns als einer, der
uns kennt und um uns weiß. Er schaut auf uns als einer,
der alles, was uns bedrückt und belastet selbst von
innen her erfahren und angenommen hat.
Das Weihnachtsfest – und der damit verbundene „Rummel“
kommt und geht, wie die allermeisten Dinge, auf die wir
unsere kurzen Hoffnungen und Wünsche setzen.
Da wir erfahrungsgemäß aus
eigener Kraft zu einem solchen befreienden Ausblick auf
den kommenden Herrn nicht fähig sind, wird es gut sein,
darum zu beten: „Zeige
uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und
lenke unseren Blick auf das Unvergängliche, damit wir in
allem dein Reich suchen“
(Schlussgebet des
1. Adventsonntages).
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