Exerzitien mit P. Pius

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Bereitet dem Herrn den Weg

(2. Adventssonntag - Lesejahr C; Lk 3, 1 - 6)

EVANGELIUM                                                                                                   

Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt

 

+Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

1Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;

2Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.

3Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.

4(So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

5Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.

6Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

 

Seit anderthalb Jahren wird der ganze Straßenverkehr, der durch das Harmersbachtal geht, talauf, talab, – direkt an der Wallfahrtskirche und am Kapuzinerkloster vorbei – umgeleitet.

Warum? Weil die mehr als zwei Kilometer lange Hauptstraße durch Unterharmersbach samt einigen Brücken neu gemacht wird. Eine Riesenbaustelle! Das größte innerörtliche Straßenbauprojekt in Baden-Württemberg!

 

So ein Straßenbau ist trotz der Maschinen, die im Einsatz sind, sehr mühsam, langwierig und natürlich auch kostspielig. Schon im Vorfeld wurden eine Reihe Häuser abgerissen, Umleitungsstraßen erweitert, Behelfsbrücken gebaut. Dann wurde die alte Straße aufgerissen. Es wurde gebaggert, gebuddelt und gegraben. Es gab viel Dreck und Lärm. Und was da alles hineinkommt: Wasserleitungen, Gasrohre, Telefonkabel…

Ja, so ein Straßenbau, der kostet was, braucht Zeit und verlangt auch von den Anwohnern gute Nerven und viel Geduld. Dafür dürfen sie sich nachher umso mehr freuen, wenn sie eine ganz neue Straße haben, schön, gerade und eben, ohne Schlaglöcher, Pfützen und andere Hindernisse.

 

Dieser Straßenbau vor der eigenen Haustür ist mir in den Sinn gekommen, als ich das heutige Evangelium las. Denn auch Johannes der Täufer gebraucht das Bild vom Straßenbau. Und vor ihm schon der Prophet Jesaja (40, 3 - 4). Der eine sagt: „Bahnt den Weg des Herrn!“ Der andere: „Bereitet dem Herrn den Weg!“

 

Das ist eine Grundbotschaft des Advents. Wir hören sie jedes Jahr neu. Aber wie kann das gehen? Was könnte damit gemeint sein? Und was könnte das für uns heute bedeuten?

 

Jesaja und Johannes gebrauchen eindrucksvolle Bilder, die uns weiterhelfen und die Richtung zeigen können: Füllt Schluchten aus! Tragt Berge ab und macht das Krumme gerade!

Liebe Mitchristen! Verweilen wir ein wenig bei diesen Bildern und lassen wir uns davon zur Besinnung anregen.

 

SCHLUCHTEN AUSFÜLLEN

Unsere Zeit hält viele Abgründe bereit, in die wir stürzen können.

Da ist z. B. die Hetze. Sie hat einen gefräßigen Rachen. Sie droht uns zu verschlingen. Sie lässt uns nicht mehr zu uns selber kommen.

Bei Exerzitienkursen oder Besinnungswochenenden mache ich die Erfahrung, dass es gar nicht so leicht ist, abzuschalten, „herunterzukommen“, ruhig zu werden und still zu sein. Und doch tut es gut und es gibt eine große Sehnsucht danach.

Es ist gar nicht leicht, einmal ein paar Tage ohne Internet, ohne Fernsehen, Illustrierte, Radio, Handy oder Smartphone auszukommen. Und doch tut es gut, einmal Distanz zu haben zu all dem, was sich sonst so wichtig gebärdet, was uns jagt und gefangen nimmt. Es tut gut, einmal aus der Überflutung mit Reizen auszubrechen, das pausenlose Konsumieren vielfältiger Zerstreuungen zu lassen und sich auf das Wesentliche zu besinnen.

Ein Abgrund unserer Zeit ist die wahnsinnige Hetze. Wir dürfen uns nicht auffressen lassen. Gerade im Advent, wo so vieles zu tun und zu erledigen ist, wo so viele Menschen hasten und eilen, gerade da braucht es Entschiedenheit und Mut, jeden Tag wenigsten für ein paar Minuten auszusteigen aus der ruhelosen Betriebsamkeit, innezuhalten, still zu werden, bei sich selbst einzukehren und in SEINER Gegenwart zu verweilen, um so den inneren Frieden wieder zu finden und neue Kraft zu schöpfen.

 

Was für Abgründe gib es noch in unserem, in meinem Leben? Welche „Schluchten“ können wir noch ausfüllen, welche Gräben zuschütten?

Vielleicht die Schlucht der Unversöhntheit und des Unfriedens? Die Schlucht der Rachegefühle und Hassgedanken? Oder die Gräben der Engherzigkeit und der Intoleranz, die Gräben uralter Vorurteile.

Hier ist Raum, liebe Schwestern und Brüder, um bei sich selbst zu schauen und zu suchen…. Und dann zu beginnen – in der Vorbereitung auf Weihnachten, im Blick auf SEIN Kommen – die eine oder andere Schlucht auszufüllen bzw. den einen oder anderen Graben zuzuschütten.

 

BERGE ABTRAGEN

Ein „Berg“, der sich heute vor vielen Menschen aufbaut ist die immense Arbeitslast und ein enormer Leistungsdruck. Immer schneller, immer mehr. Sodann dauernde Veränderungen, Umstrukturierungen... Ständig kommt etwas Neues. Das Gefühl der Überforderung macht sich breit. Und in seinem Gefolge Stress, Burnout und ähnliche Symptome.

 

Kann es aber vielleicht auch sein, dass ich unangenehme Aufgaben vor mir herschiebe, statt sie sofort anzupacken. Oder will ich selbst immer „Spitze“ sein? Habe ich zu große Erwartungen an mich selbst? Setze ich mich selbst unter Druck? Bin ich übertrieben ehrgeizig und zu perfektionistisch?

 

Was kann sich noch – wie ein Berg – vor mir auftürmen, den es abzutragen gilt? Möglicherweise Konflikte, die immer weiter anwachsen, wenn ich sie stehen lasse, statt sie zu bereinigen. Vielleicht auch der Berg des Misstrauens, der Hartherzigkeit, der Gnadenlosigkeit?

Ob nicht die Tage und Wochen Weihnachten entgegen, eine gute Zeit sein könnten, zu versuchen und zu beginnen, den einen oder anderen „Berg“ abzubauen, damit mein Leben freier und offener wird und Gott bei mir ankommen kann?

Ich denke, wir machen den Weg gerade auch dann frei für Gott, wenn wir Wege wieder zueinander finden, wenn wir versuchen wegzuräumen, was dazwischen steht, was Beziehungen lähmt und Gemeinschaft hemmt und blockiert.

 

DAS KRUMME BEGRADIGEN

Was für ein Typ bin ich? Ehrlich, wahrhaftig und geradlinig? Oder eher verschlagen und hinterhältig? Drehe ich mich und wende mich? Mache ich anderen gerne etwas vor oder lüge mir selber in die Tasche? Laufe ich mit einer Maske umher? Ist bei mir vieles Fassade? Liebe ich manchmal vielleicht auch die „krummen Touren“, agiere „hintenherum“, benutze Schleichwege und begebe mich auf Abwege? Bin ich gern missgünstig, neidisch oder schadenfroh?

 

Das Krumme begradigen kann in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten darin bestehen, mich zu bemühen, aufrecht zu sein, ehrlich zu anderen und zu mir selbst und den geraden Weg zu gehen, damit ER zu mir finden und bei mir Wohnung nehmen kann?

 

„Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“

Was Johannes der Täufer den Menschen damals zugerufen hat, das gilt bis heute und es gilt für jeden von uns.

Ist der Advent nicht genau die Zeit, in der das dran ist: Gräben zuschütten, Schluchten ausfüllen, Berge abtragen und Krummes begradigen? Von seinem Ursprung her ist der Advent ja eine Zeit des Umsinnens, des Umdenkens und der Umkehr.

 

Die Frage ist: Bin ich bereit, Hindernisse, die SEINEM Kommen im Weg stehen, auszuräumen, „Schluchten“ auszufüllen, „Berge“ abzutragen und was „krumm“ ist, zu begradigen?

Vielleicht kann mein Bemühen darum auch einmünden in die Mitfeier einer Bußandacht in dieser Zeit vor Weihnachten oder sogar in eine gute Beichte und damit in die Gnade der Vergebung durch Gott und das Geschenk eines neuen Anfangs?

 

Vergessen wir nicht: Mit dem Auftrag, der Ankunft Gottes den Weg zu bereiten, ist bei Johannes dem Täufer auch die Verheißung verbunden: „Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“ – Im Kind von Betlehem hat dieses Heil für uns einen Namen bekommen.

 

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