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Liebe
Mütter, Großmütter und Urgroßmütter!
Liebe Schwestern und Brüder!
Ein Gefängnispfarrer wurde gefragt, welche
Gefangenen ihm die größten Sorgen und Schwierigkeiten
bereiten. Seine Antwort:
„Es sind solche, denen zum
Wort ‚Mutter‘ nichts Gutes einfällt.“
Am Muttertag denken wir an unsere Mutter, egal
ob sie noch lebt oder bereits verstorben ist. – Und ich
hoffe und wünsche sehr, dass uns allen beim Wort
„Mutter“ viel Gutes einfällt, viel Positives. Wir alle
haben wohl unserer Mutter unendlich viel zu danken. Und
der Muttertag ist eine wunderbare Gelegenheit, das zu
tun, danke zu sagen. Danke für alle Liebe und Güte, die
die Mutter uns erweist bzw. erwiesen hat.
Wir wollen heute aber auch an all jene Frauen denken,
die „mütterlich“ handeln, ohne leiblich Mutter zu sein.
Diese Art des „Muttersein“ ist eine geistliche Haltung
der Fürsorge, des Schutzes und der Wegbegleitung.
Es sind nicht wenige – auch hier im Haus – die
mütterlich für andere da sind, sich Kranken, Alten,
Schwachen liebevoll zuwenden, sich um sie kümmern, für
sie sorgen, und – wie eine Mutter – unzählige, oft
unsichtbare Handgriffe tun – im Dienst und zum Wohl
anderer. Auch ihnen sei heute gedankt und ein herzliches
„Vergelt’s Gott“ gesagt.
Liebe Schwestern und Brüder!
In vielen Familien gibt es am Muttertag Blumen oder
Pralinen, vielleicht auch ein besonderes Frühstück oder
einen Anruf. Vielleicht geht man auch gemeinsam auswärts
essen. Das ist schön, das ist gut. – Allerdings sollte
sich unser Dank und unsere Wertschätzung nicht auf den
Muttertag beschränken, sondern möglichst oft – auch das
Jahr über – ins Wort gebracht werden oder durch kleine
Aufmerksamkeiten, einen freundlichen Gruß, eine
liebevolle Geste, ein herzliches Dankeschön oder
ähnlicher Ausdruck finden.
Liebe Schwestern und Brüder!
In der Heiligen Schrift lesen wir oft von Gott als
Vater. Und auch Jesus lehrt uns zu unserem Vater im
Himmel zu beten. - Doch an vielen Stellen in der Bibel
finden sich auch mütterliche Bilder für Gott. Gott ist
nicht nur Vater, sondern auch Mutter!
In der Lesung vorhin
– aus dem Propheten Jesaja – da haben wir Worte gehört,
die meines Erachtens zu den schönsten der ganzen Bibel
gehören. Da stellt Gott die Frage:
„Kann denn eine Frau ihr
Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn?“
Nun, wir wissen:
Menschliche Liebe ist nicht immer perfekt. Menschliche
Liebe ist nie vollkommen. Sie ist immer bruchstückhaft.
Es gibt Enttäuschungen und Schmerz. Doch Jesaja führt
uns über das Menschliche hinaus. Gott antwortet selbst
auf seine Frage: „Und
selbst wenn sie ihn vergisst: Ich vergesse dich nicht.
Sieh her, ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“
Was für ein gewaltiges Bild!
Gott hat keinen Terminkalender, den er verlegen kann.
Er hat uns nicht auf einen Zettel geschrieben, der
verloren geht. Er hat unsere Namen, unser ganzes Wesen,
unauslöschlich in seine Hände tätowiert. Wenn Gott
handelt, wenn er segnet, wenn er tröstet – immer sieht
er dabei unsere Namen in seinen Händen. Er vergisst uns
nicht.
Im Evangelium, liebe Schwestern und Brüder, da
begegnen sich zwei schwangerer Frauen: Maria und
Elisabet.
Maria eilt zu ihrer Verwandten. Es ist keine
Pflichtübung. Es ist das Drängen der Freude und der
Liebe. Und was passiert, als sie sich treffen? Das Kind
im Leib der Elisabet hüpft vor Freude.
Hier begegnen sich nicht nur zwei Frauen. Hier begegnen
sich zwei werdende Mütter, die JA zum Leben gesagt
haben. Und das in einer Situation, die für beide alles
andere als einfach war. Elisabet war eigentlich schon zu
alt für Kinder. Maria war noch blutjung, unverheiratet
und stand vor einer ungewissen Zukunft.
Beide brauchten ganz, ganz viel Mut. Und beide
fanden diesen Mut im Vertrauen auf Gott. Elisabet ruft
Maria geisterfüllt zu:
„Selig ist die, die geglaubt
hat!“
Liebe Schwestern und Brüder!
Leider ist der Muttertag nicht für jeden ein Tag der
Freude.
-
Manche trauern um ihre verstorbene Mutter und spüren
am Muttertag den Verlust und die Lücke ganz
besonders schmerzhaft und heftig.
-
Andere
leiden unter einer schwierigen oder zerbrochenen
Beziehung zu ihrer Mutter.
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Denken wir auch an Frauen,
die sich nichts sehnlicher gewünscht haben als
Kinder, deren Wunsch sich aber nicht erfüllt hat und
die ungewollt kinderlos geblieben sind.
-
Denken wir auch an
die Mütter, die um ein Kind weinen, es verloren
haben, es gehen lassen mussten.
Liebe Schwestern und Brüder!
All diese Gefühle – die grenzenlose Freude,
aber auch die tiefe Trauer – haben heute hier in dieser
Eucharistiefeier Platz. Denn der Gott, den wir hier
feiern, ist kein ferner Gott. Er ist der Gott, der uns
tröstet „wie eine
Mutter ihr Kind tröstet“.
In der Eucharistie gleich auf dem Altar schenkt sich
uns dieser Gott ganz und gar. Er gibt sich uns in die
Hand und bricht sich für uns – aus Liebe.
Lassen wir uns von dieser göttlichen Liebe beschenken.
Nehmen wir die mütterliche Zusage Gottes mit in unseren
Alltag: Du bist nicht vergessen. Du bist gewollt. Du
bist geliebt. Du bist in Gottes Hände geschrieben.
Und bitten wir Gott um seinen Segen für alle Mütter –
die Lebenden und die Verstorbenen. – Und bitten wir
Maria, die Mutter mit dem gütigen Herzen, um ihre
Fürsprache, dass auch wir ein Herz bekommen, das liebt,
tröstet und Leben schenkt.
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