Exerzitien mit P. Pius

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Muttertag (Jes 49, 13 - 16a; Lk 1, 39  47)

Predigt im Haus Bethanien am Vortag von Muttertag

 

 

Liebe Mütter, Großmütter und Urgroßmütter!

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Ein Gefängnispfarrer wurde gefragt, welche Gefangenen ihm die größten Sorgen und Schwierigkeiten bereiten. Seine Antwort: „Es sind solche, denen zum Wort ‚Mutter‘ nichts Gutes einfällt.“

 

Am Muttertag denken wir an unsere Mutter, egal ob sie noch lebt oder bereits verstorben ist. – Und ich hoffe und wünsche sehr, dass uns allen beim Wort „Mutter“ viel Gutes einfällt, viel Positives. Wir alle haben wohl unserer Mutter unendlich viel zu danken. Und der Muttertag ist eine wunderbare Gelegenheit, das zu tun, danke zu sagen. Danke für alle Liebe und Güte, die die Mutter uns erweist bzw. erwiesen hat.

 

Wir wollen heute aber auch an all jene Frauen denken, die „mütterlich“ handeln, ohne leiblich Mutter zu sein. Diese Art des „Muttersein“ ist eine geistliche Haltung der Fürsorge, des Schutzes und der Wegbegleitung.

 

Es sind nicht wenige – auch hier im Haus – die mütterlich für andere da sind, sich Kranken, Alten, Schwachen liebevoll zuwenden, sich um sie kümmern, für sie sorgen, und – wie eine Mutter – unzählige, oft unsichtbare Handgriffe tun – im Dienst und zum Wohl anderer. Auch ihnen sei heute gedankt und ein herzliches „Vergelt’s Gott“ gesagt.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

In vielen Familien gibt es am Muttertag Blumen oder Pralinen, vielleicht auch ein besonderes Frühstück oder einen Anruf. Vielleicht geht man auch gemeinsam auswärts essen. Das ist schön, das ist gut. – Allerdings sollte sich unser Dank und unsere Wertschätzung nicht auf den Muttertag beschränken, sondern möglichst oft – auch das Jahr über – ins Wort gebracht werden oder durch kleine Aufmerksamkeiten, einen freundlichen Gruß, eine liebevolle Geste, ein herzliches Dankeschön oder ähnlicher Ausdruck finden.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

In der Heiligen Schrift lesen wir oft von Gott als Vater. Und auch Jesus lehrt uns zu unserem Vater im Himmel zu beten. - Doch an vielen Stellen in der Bibel finden sich auch mütterliche Bilder für Gott. Gott ist nicht nur Vater, sondern auch Mutter!

 

In der Lesung vorhin – aus dem Propheten Jesaja – da haben wir Worte gehört, die meines Erachtens zu den schönsten der ganzen Bibel gehören. Da stellt Gott die Frage: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn?“

 

Nun, wir wissen: Menschliche Liebe ist nicht immer perfekt. Menschliche Liebe ist nie vollkommen. Sie ist immer bruchstückhaft. Es gibt Enttäuschungen und Schmerz. Doch Jesaja führt uns über das Menschliche hinaus. Gott antwortet selbst auf seine Frage: „Und selbst wenn sie ihn vergisst: Ich vergesse dich nicht. Sieh her, ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“

 

Was für ein gewaltiges Bild!

Gott hat keinen Terminkalender, den er verlegen kann.

Er hat uns nicht auf einen Zettel geschrieben, der verloren geht. Er hat unsere Namen, unser ganzes Wesen, unauslöschlich in seine Hände tätowiert. Wenn Gott handelt, wenn er segnet, wenn er tröstet – immer sieht er dabei unsere Namen in seinen Händen. Er vergisst uns nicht.

 

Im Evangelium, liebe Schwestern und Brüder, da begegnen sich zwei schwangerer Frauen: Maria und Elisabet.

Maria eilt zu ihrer Verwandten. Es ist keine Pflichtübung. Es ist das Drängen der Freude und der Liebe. Und was passiert, als sie sich treffen? Das Kind im Leib der Elisabet hüpft vor Freude.

 

Hier begegnen sich nicht nur zwei Frauen. Hier begegnen sich zwei werdende Mütter, die JA zum Leben gesagt haben. Und das in einer Situation, die für beide alles andere als einfach war. Elisabet war eigentlich schon zu alt für Kinder. Maria war noch blutjung, unverheiratet und stand vor einer ungewissen Zukunft.

Beide brauchten ganz, ganz viel Mut. Und beide fanden diesen Mut im Vertrauen auf Gott. Elisabet ruft Maria geisterfüllt zu: „Selig ist die, die geglaubt hat!“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Leider ist der Muttertag nicht für jeden ein Tag der Freude.

  • Manche trauern um ihre verstorbene Mutter und spüren am Muttertag den Verlust und die Lücke ganz besonders schmerzhaft und heftig.

  • Andere leiden unter einer schwierigen oder zerbrochenen Beziehung zu ihrer Mutter.

  • Denken wir auch an Frauen, die sich nichts sehnlicher gewünscht haben als Kinder, deren Wunsch sich aber nicht erfüllt hat und die ungewollt kinderlos geblieben sind.

  • Denken wir auch an die Mütter, die um ein Kind weinen, es verloren haben, es gehen lassen mussten.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

All diese Gefühle – die grenzenlose Freude, aber auch die tiefe Trauer – haben heute hier in dieser Eucharistiefeier Platz. Denn der Gott, den wir hier feiern, ist kein ferner Gott. Er ist der Gott, der uns tröstet „wie eine Mutter ihr Kind tröstet“.

 

In der Eucharistie gleich auf dem Altar schenkt sich uns dieser Gott ganz und gar. Er gibt sich uns in die Hand und bricht sich für uns – aus Liebe.

 

Lassen wir uns von dieser göttlichen Liebe beschenken. Nehmen wir die mütterliche Zusage Gottes mit in unseren Alltag: Du bist nicht vergessen. Du bist gewollt. Du bist geliebt. Du bist in Gottes Hände geschrieben.

 

Und bitten wir Gott um seinen Segen für alle Mütter – die Lebenden und die Verstorbenen. – Und bitten wir Maria, die Mutter mit dem gütigen Herzen, um ihre Fürsprache, dass auch wir ein Herz bekommen, das liebt, tröstet und Leben schenkt.

 

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