Exerzitien mit P. Pius

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Gottes Liebeserklärung

Taufe Jesu; Mt 3, 13 - 17

 

Evangelium

Als Jesus getauft war, sah er den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit

13kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.

14Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?

15Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.

16Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.

17Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

 

 

Die Liturgie macht heute einen großen Sprung. Vor ein paar Tagen haben die Heiligen Drei Könige noch dem Jesuskind in Betlehem ihre Aufwartung gemacht. Heute begegnen wir dem erwachsenen Jesus am Ufer des Jordan. Etwa dreißig Jahre liegen zwischen seiner Geburt und dem Fest der Taufe Jesu, das wir heute feiern.

 

Ein interessanter Zeitpunkt und ein interessantes Geschehen: Dreißig Jahre lang haben wir so gut wie nichts von Jesus gehört und nun sehen wir ihn am Jordan, wo er sich in die lange Reihe der Sünder stellt, die sich von Johannes taufen lassen.

 

Johannes tauft zur Vergebung der Sünden. – Aber hat Jesus das nötig? Ist er ein Sünder? Unser Glaube sagt eindeutig: Nein! Und tatsächlich meldet Johannes Bedenken an. Aber Jesus lässt keinen Widerspruch zu. Warum? Weil er nichts „Besseres“ sein will als die Menschen um ihn herum. Er will keine besonderen Rechte für sich in Anspruch nehmen, sondern will bei den Sündern sein. Die Taufe Jesu im Jordan ist eine Solidaritätsbezeugung: Ich will mitten unter euch sein – und ich will für euch da sein!

 

Und über diesem Menschen geht am Jordan der Himmel auf und Gott spricht: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“

 

Spannend! Aus diesem geöffneten Himmel, in dem wir so gerne Gott ansiedeln – hoch und weit über uns – da tönen keine moralischen Appelle, keine Forderungen, keine Anweisungen, wie wir Menschen zu leben haben, sondern aus diesem offenen Himmel ertönt eine Liebeserklärung: Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Gefallen gefunden.

 

Und für diejenigen, die das hören, heißt das: Schaut auf ihn. An ihm könnt ihr sehen, wie ich, Gott, das Leben will. Ich habe Gefallen gefunden an der Art und Weise, wie er mit den Menschen umgehen wird.

 

Eine Liebeserklärung als „Überschrift“ über dem Anfang des öffentlichen Lebens Jesu. Es ist, als wollte Gott sagen: Schaut genau hin! Gebt acht! Denn dieser „geliebte Sohn“ wird eine neue, ganz andere Botschaft bringen, als sie bisher verkündet wurde. Und er wird damit die religiöse Welt seiner Zeit ziemlich auf den Kopf stellen:

 

Wo die „Frommen“ der damaligen Zeit die Strafe Gottes für die Sünder verkündet haben, da wird Jesus den Sündern Erbarmen zusagen und ihnen Vergebung schenken.

 

Wo man den Kranken und Aussätzigen eingeredet hat, ihr Leid sei jetzt die gerechte Strafe für ihre Schuld, da wird er sie liebevoll anschauen, sie heilen, gesund machen und sie in seine Gemeinschaft aufnehmen.

 

Wo Johannes noch von der Axt gesprochen hat, die alles umhaut, was nicht gerade wächst, da wird Jesus alles tun, damit keiner verloren gehen wird. Das geknickte Rohr wird er nicht brechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Denn er trägt Hoffnung und Heil in sich – die Rettung aus aller Not. Und er wird uns sogar versichern, dass mit dem Tod noch lange nicht alles aus ist.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Fest der Taufe Jesu will das Weihnachtsgeheimnis noch einmal sehr deutlich machen und sagen: In Jesus ist Gott sichtbar in unserer Welt erschienen. So wie dieser Jesus ist, wie er handelt und spricht, so ist unser Gott. Ja, in Jesus, da legt Gott vorbehaltlos seine Arme um die Menschen, und zwar um alle Menschen – auch um uns. Er nimmt uns so an wie wir sind – mit unseren Widersprüchen und Zerbrochenheiten, mit all dem, was nicht stimmt in unserem Leben. Und wo wir schuldig geworden sind, da wird er selbst unsere Schuld auf sich nehmen, damit wir wieder aufatmen und leben können.

 

Eine Liebeserklärung aus einem offenen Himmel – bei der Taufe Jesu im Jordan. Eine Liebeserklärung, die weiterhin gilt – für Jesus und für alle, die auf diesen Jesus schauen und die versuchen, ihm nachzufolgen – auch wenn es nicht immer gelingt. Und diese Liebeserklärung gilt selbst für die, die das überhaupt nicht glauben können.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Jedes Mal, wenn in unseren Gemeinden ein Kind getauft wird, dann ereignet sich das Wunder eines offenen Himmels. Denn Gott spricht seine Liebeserklärung an dieses Kind aus – und er gießt seinen guten Geist aus über dieses Kind.

 

Und deshalb ist die Taufe nicht „nur“ ein „schöner Brauch“ und erst recht keine „Formalität“, die dazugehört, sondern sie ist Gottes großes Geschenk an uns – und deshalb immer ein Grund zur Freude.

 

Ja, Gott schenkt uns einen unermesslichen Reichtum, den uns kein Mensch und keine Macht der Welt mehr nehmen kann. – Denn das, was wir in der Taufe geworden sind, das können wir nie mehr verlieren: Nämlich Kinder des Vaters im Himmel zu sein. – „Dies ist mein geliebter Sohn“, so sagt Gott zu Jesus am Jordan. – „Du bist mein geliebtes Kind“, so sagt Gott auch zu uns. „Dich habe ich erwählt!“

 

Und wenn du inzwischen auch schon ein altes Kind geworden bist, wenn deine Haare weiß geworden sind – und auch wenn du inzwischen viele Fehler gemacht hast und auch noch machen wirst – du gehörst immer noch mir. – Und das wird so bleiben bis in Ewigkeit.

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