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Erste Lesung
So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und
ich werde sie segnen
Lesung
aus dem Buch Númeri
22Der Herr sprach
zu Mose:
23Sag
zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten
segnen; sprecht zu ihnen:
24Der Herr segne
dich und behüte dich.
25Der Herr lasse
sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
26Der Herr wende
sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.
27So
sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich
werde sie segnen.
Evangelium
Sie fanden Maria und Josef und das Kind.
Als acht Tage vorüber waren, gab man dem Kind den Namen
Jesus
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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit
16eilten
die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und
das Kind, das in der Krippe lag.
17Als
sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über
dieses Kind gesagt worden war.
18Und
alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von
den Hirten erzählt wurde.
19Maria
aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem
Herzen.
20Die
Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für
alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es
ihnen gesagt worden war.
21Als
acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden
sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel
genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen
war.
Liebe Schwestern und Brüder!
„Ein gutes neues Jahr!“ – Diesen Satz hören wir heute oft
oder sprechen ihn selbst. Doch was meinen wir eigentlich
damit? Was wünschen wir uns gegenseitig für die
kommenden 365 Tage?
„Ein gutes neues Jahr!“ – Hinter diesem Wunsch steht bei
vielen die Hoffnung auf Gesundheit, oder die Hoffnung
auf Erfolg, bei wieder anderen die Hoffnung auf Frieden
oder einfach die Hoffnung, von Unglück und
Schicksalsschlägen verschont zu bleiben.
Doch als Christen feiern wir den Beginn des neuen Jahres
nicht einfach mit guten Wünschen und Vorsätzen. Der
Neujahrs-Tag hat für uns vielmehr ein ganz besonderes
Vorzeichen, eine ganz besondere Prägung: In der
katholischen Kirche feiern heute, am Oktavtag von
Weihnachten, das Hochfest der Gottesmutter Maria.
Das Evangelium führt
uns noch einmal zurück an die Krippe. Wir sehen die
Hirten, die alles stehen und liegen lassen, um das Kind
zu finden. Und wir sehen Maria. Von ihr heißt es:
„Maria aber bewahrte alle
diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“
Maria steht an der Schwelle des neuen Jahres als ein
Vorbild des Vertrauens. Sie wusste nicht, was die
Zukunft bringt. Sie hatte keinen detaillierten Plan für
das Leben ihres Sohnes. Aber sie hatte ein weites Herz.
„Erwägen“ –
griechisch „symballein“
– bedeutet wörtlich
„zusammenwerfen“ oder
auch „zusammenfügen“.
Maria fügt die Puzzleteile ihres Lebens zusammen: die
Botschaft des Engels, die Freude der Geburt, die Armut
des Stalles, die prophetischen Worte der Hirten... Sie
versucht den roten Faden in ihrem Leben zu entdecken.
Für uns bedeutet das: Wir müssen das neue Jahr nicht
sofort „im Griff“ haben. Wir müssen nicht alles sofort
verstehen und lösen. Wir dürfen – wie Maria – Lernende
sein, die Ereignisse des Alltags in unserem Herzen
bewegen, darüber nachsinnen, „reifen“ lassen – bis wir
die Spur Gottes erkennen.
Das neue Jahr „erwägen“ bedeutet: Nicht in Panik vor dem
Unbekannten zu verfallen, sondern darauf zu vertrauen,
dass Gott in allen Ereignissen – den frohen wie den
schweren – gegenwärtig ist.
Liebe Schwestern und Brüder!
In der ersten Lesung aus dem Buch Numeri haben
wir heute den ältesten Segen der Bibel gehört, den
Aaronitischen Segen:
„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse
sein Angesicht über dich leuchten…“
Sehen Sie:
Die Kirche stellt an den Beginn des neuen Jahres kein
vages „Viel Glück!“, sondern eine kraftvolle Zusage: den
Segen Gottes. Segnen bedeutet im Lateinischen
„benedicere“
– wörtlich:
„Gutes zusagen“.
Die Kirche lässt und das neue Jahr nicht mit Appellen und
Forderungen beginnen, auch nicht mit gut gemeinten
Vorsätzen, die wir dann doch nicht halten, sondern mit
dem Segen Gottes. Gott sagt uns am ersten Tag des Jahres
sein „Ja“ zu.
Dieser Segen ist keine Versicherung gegen
Unglück und Schwierigkeiten. Aber er ist das
Versprechen: Du gehst nicht allein. Und es ist die
Zusage: Gott lässt ein Angesicht über dir leuchten. Auch
wenn die Welt um dich herum gefahrvoll und dunkel
erscheint: Er schaut dich an. Er kennt dich und weiß um
dich. Und er sagt ja zu dir.
Wenn wir einander nicht nur ein „gutes neues Jahr“
wünschen, sondern ein „gesegnetes neues Jahr“, dann
sagen wir eigentlich: „Ich wünsche dir die Gewissheit,
dass du in Gottes Hand geborgen bist, egal was kommt.“
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium endet mit einem bedeutsamen
Hinweis: Das Kind erhält nämlich – acht Tage nach der
Geburt – den Namen
Jesus.
„Jeschua“, „Jesus“
bedeutet: „Jahwe
rettet“ – „Der Herr rettet“.
Ist das nicht eine wunderbare Überschrift für
das Jahr 2026: „Gott
rettet“. Bevor das Jahr
richtig Fahrt aufnimmt, wird uns der Name „Jesus“ als
Schutzschild und Kompass mitgegeben:
„Gott rettet“.
Wir müssen die Welt nicht allein retten. Wir müssen
nicht perfekt sein.
„Jesus – Gott rettet.“
Unter diesem Namen dürfen wir ins neue Jahr gehen. In
aller Angst und jeder Not, in aller Freude und jedem
Dank dürfen wir vertrauensvoll diesen Namen anrufen:
„Jesus, Gott rettet!“
Liebe Schwestern und Brüder!
Ich lade Sie ein, drei Dinge in die ersten Tage dieses
Jahres mitzunehmen:
1. Gelassenheit: Machen wir es wie Maria.
Erwägen wir die Dinge im Herzen, statt sofort in Hektik
zu geraten und uns von Sorgen überwältigen zu lassen.
2. Segen sein: Werden wir selbst zum Segen
für andere. Ein gutes Wort, ein offenes Ohr, ein
freundlicher Blick, eine helfende Hand… – das ist
gelebter Segen im Alltag.
3. Vertrauen: Vertrauen, dass Gott da ist
und mitgeht. Sein Angesicht leuchtet über uns.
Und so können wir mit Zuversicht in dieses neue
Jahr gehen. Nicht, weil wir wissen, was die Zukunft
bringt, sondern weil wir wissen: Wir sind nicht allein.
„Gott ist mit uns, am
Abend und am Morgen. Und ganz gewiss an jedem neuen
Tag.“ (D. Bonhoeffer)
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