Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Weihnachten Unter Gottes Segen

Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit
   Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
   Papst und Kirche
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

Unter Gottes Segen

Predigt zur Ersten Lesung und zum Evangelium am 1. Januar - Neujahr, Oktavtag von Weihnachten,

Hochfest der Gottesmutter Maria;

Num 6, 22 - 27 bzw. Lk 2, 16 - 21

 

 

Erste Lesung

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen

Lesung

aus dem Buch Númeri

22Der Herr sprach zu Mose:

23Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:

24Der Herr segne dich und behüte dich.

25Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

26Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.

27So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.

 

Evangelium

Sie fanden Maria und Josef und das Kind.

Als acht Tage vorüber waren, gab man dem Kind den Namen Jesus

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit

16eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.

19Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.

20Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

21Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ein gutes neues Jahr!“ – Diesen Satz hören wir heute oft oder sprechen ihn selbst. Doch was meinen wir eigentlich damit? Was wünschen wir uns gegenseitig für die kommenden 365 Tage?

 

„Ein gutes neues Jahr!“ – Hinter diesem Wunsch steht bei vielen die Hoffnung auf Gesundheit, oder die Hoffnung auf Erfolg, bei wieder anderen die Hoffnung auf Frieden oder einfach die Hoffnung, von Unglück und Schicksalsschlägen verschont zu bleiben.

 

Doch als Christen feiern wir den Beginn des neuen Jahres nicht einfach mit guten Wünschen und Vorsätzen. Der Neujahrs-Tag hat für uns vielmehr ein ganz besonderes Vorzeichen, eine ganz besondere Prägung: In der katholischen Kirche feiern heute, am Oktavtag von Weihnachten, das Hochfest der Gottesmutter Maria.

 

Das Evangelium führt uns noch einmal zurück an die Krippe. Wir sehen die Hirten, die alles stehen und liegen lassen, um das Kind zu finden. Und wir sehen Maria. Von ihr heißt es: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“

 

Maria steht an der Schwelle des neuen Jahres als ein Vorbild des Vertrauens. Sie wusste nicht, was die Zukunft bringt. Sie hatte keinen detaillierten Plan für das Leben ihres Sohnes. Aber sie hatte ein weites Herz.

 

„Erwägen“ – griechisch „symballein“ – bedeutet wörtlich „zusammenwerfen“ oder auch „zusammenfügen“. Maria fügt die Puzzleteile ihres Lebens zusammen: die Botschaft des Engels, die Freude der Geburt, die Armut des Stalles, die prophetischen Worte der Hirten... Sie versucht den roten Faden in ihrem Leben zu entdecken.

 

Für uns bedeutet das: Wir müssen das neue Jahr nicht sofort „im Griff“ haben. Wir müssen nicht alles sofort verstehen und lösen. Wir dürfen – wie Maria – Lernende sein, die Ereignisse des Alltags in unserem Herzen bewegen, darüber nachsinnen, „reifen“ lassen – bis wir die Spur Gottes erkennen.

 

Das neue Jahr „erwägen“ bedeutet: Nicht in Panik vor dem Unbekannten zu verfallen, sondern darauf zu vertrauen, dass Gott in allen Ereignissen – den frohen wie den schweren – gegenwärtig ist.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

In der ersten Lesung aus dem Buch Numeri haben wir heute den ältesten Segen der Bibel gehört, den Aaronitischen Segen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten…“

 

Sehen Sie: Die Kirche stellt an den Beginn des neuen Jahres kein vages „Viel Glück!“, sondern eine kraftvolle Zusage: den Segen Gottes. Segnen bedeutet im Lateinischen „benedicere“ – wörtlich: „Gutes zusagen“.

 

Die Kirche lässt und das neue Jahr nicht mit Appellen und Forderungen beginnen, auch nicht mit gut gemeinten Vorsätzen, die wir dann doch nicht halten, sondern mit dem Segen Gottes. Gott sagt uns am ersten Tag des Jahres sein „Ja“ zu.

 

Dieser Segen ist keine Versicherung gegen Unglück und Schwierigkeiten. Aber er ist das Versprechen: Du gehst nicht allein. Und es ist die Zusage: Gott lässt ein Angesicht über dir leuchten. Auch wenn die Welt um dich herum gefahrvoll und dunkel erscheint: Er schaut dich an. Er kennt dich und weiß um dich. Und er sagt ja zu dir.

 

Wenn wir einander nicht nur ein „gutes neues Jahr“ wünschen, sondern ein „gesegnetes neues Jahr“, dann sagen wir eigentlich: „Ich wünsche dir die Gewissheit, dass du in Gottes Hand geborgen bist, egal was kommt.“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Evangelium endet mit einem bedeutsamen Hinweis: Das Kind erhält nämlich – acht Tage nach der Geburt – den Namen Jesus. „Jeschua“, „Jesus“ bedeutet: „Jahwe rettet“ – „Der Herr rettet“.

 

Ist das nicht eine wunderbare Überschrift für das Jahr 2026: „Gott rettet“. Bevor das Jahr richtig Fahrt aufnimmt, wird uns der Name „Jesus“ als Schutzschild und Kompass mitgegeben: „Gott rettet“. Wir müssen die Welt nicht allein retten. Wir müssen nicht perfekt sein. „Jesus – Gott rettet.“ Unter diesem Namen dürfen wir ins neue Jahr gehen. In aller Angst und jeder Not, in aller Freude und jedem Dank dürfen wir vertrauensvoll diesen Namen anrufen: „Jesus, Gott rettet!“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich lade Sie ein, drei Dinge in die ersten Tage dieses Jahres mitzunehmen:

 

1. Gelassenheit: Machen wir es wie Maria. Erwägen wir die Dinge im Herzen, statt sofort in Hektik zu geraten und uns von Sorgen überwältigen zu lassen.

2. Segen sein: Werden wir selbst zum Segen für andere. Ein gutes Wort, ein offenes Ohr, ein freundlicher Blick, eine helfende Hand… – das ist gelebter Segen im Alltag.

3. Vertrauen: Vertrauen, dass Gott da ist und mitgeht. Sein Angesicht leuchtet über uns.

 

Und so können wir mit Zuversicht in dieses neue Jahr gehen. Nicht, weil wir wissen, was die Zukunft bringt, sondern weil wir wissen: Wir sind nicht allein. „Gott ist mit uns, am Abend und am Morgen. Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ (D. Bonhoeffer)

 

   Druckansicht

 

Seitenanfang