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Zucht
Ziehst du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor
allem
Zucht der Sinne und deiner Seele, dass die Begierden
und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin
führen.
Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst
unterworfen,
und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist.
Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn
durch Zucht.
Tat
Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer
ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist
die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des
Geschehens,
nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend umfangen.
Leiden
Wunderbare Verwandlung. Die starken tätigen Hände
sind dir gebunden. Ohnmächtig und einsam siehst du das
Ende
deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte
still und getrost in stärkere Hände und gibst dich
zufrieden.
Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit,
dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich
vollende.
Tod
Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur Freiheit,
Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsers vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten
Seele,
dass wir endlich erblicken, was uns hier zu sehen
missgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und
in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich
selbst.
Dietrich Boenhoeffer
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