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Das Wort Jesu von der Tür bekommt
in einer Zeit, in der wir Angst haben und lernen müssen,
die Türen unserer Wohnungen geschlossen zu halten, sie
vielleicht nur einen Spalt breit zu öffnen, eine ganz
neue Bedeutung.
Wer von uns hat nicht selbst
schon vor verschlossenen Türen gestanden, vergeblich
angeklopft, die Freude gespürt, wenn eine Tür gastlich
geöffnet wird, oder die Erleichterung, wenn der verloren
geglaubte Schlüssel gefunden und die Tür geöffnet ist.
Wer von uns hat nicht selbst schon seine Tür hinter sich
zu gemacht, ganz bewusst und erleichtert, oder sie im
Zorn ins Schloss geworfen …
Bilder und Erfahrungen werden in
uns wach, wenn wir Jesus sagen hören: „Ich bin die Tür,
wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird
ein- und ausgehen und Weide finden.“
Diese Tür, mit der Jesus sich
gleichsetzt, ist eindeutig eine weit offene Tür, eine
Tür, durch die wir hinein- und hinausgehen können. Dem
Johannesevangelium zufolge ist Jesus die Tür „hinein“ zu
Gott. Zur Begegnung mit Gott. Dann erfahren wir durch
ihn, wer Gott für uns ist.
In der Verkündigung und im
Handeln Jesu zeigt sich Gott, offenbart sich Gott: Ein
Gott, der sich den Menschen zuwendet, der ihre Not
sieht, ihr Rufen hört: der Schwache und Kranke heil
macht, der Menschen ihre Würde gibt und sie nicht
demütig im Staub sehen will. Ein Gott der Liebe, nicht
der Strenge, der Vergebung nicht der Strafe.
Zu diesem Gott ist Jesus die Tür.
Wer durch diese Tür hineingeht, findet Heil und Rettung,
findet Nahrung und Schutz, Geborgenheit und Leben,
findet eine Weide. Was für ein schönes Bild!
Doch die Rede ist von Ein- und
Ausgehen. Was bedeutet das Hinausgehen? Wohin hinaus?
Wer Gott so erfahren hat, wie
gerade bedacht, kann hinausgehen: in eine neue Weite,
eine neue Freiheit, ein neues Denken und Handeln.
Jesus ist die offene Tür hinaus:
in die Welt, in den Alltag, in die Wirklichkeit mit all
ihren Brüchen und Herausforderungen. Er ist gleichsam
„Welt-Tür“.
Wenn Jesus die Tür ist, durch die
wir hinausgehen, können wir uns mit ihm den Krisen
unserer Zeit stellen. Ohne Angst. Immer wieder spricht
Jesus uns zu. Fürchtet euch nicht.
Das Wort von der Tür ist ein Wort
gegen die Angst.
Jesus ist die offene Tür, die
„Gottes-Tür“ und die „Welt-Tür“, durch die wir hinein zu
Gott und hinaus in die Weite gehen können. In seinem
Geist, von ihm geleitet und gesandt, können wir selbst
und füreinander zu Türen werden. Jesus ist die Tür. In
seiner Nachfolge bin auch ich eine Tür.
Jesus nimmt uns an, wie wir sind,
wie es gerade jetzt für uns gut ist. Immer spricht er
uns zu: Fürchte dich nicht. Ich bin die Tür zum Leben –
zum Leben in Fülle.
Irmentraud Kobusch
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