Exerzitien mit P. Pius

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Jahresrückblick 2008

 

Zell a. H im Advent 2008

 

Lasst uns dem Leben trauen,

weil die Weihnacht

das Licht gebracht hat.

Lasst uns dem Leben trauen,

weil wir es nicht allein

zu leben haben,

sondern Gott es mit uns lebt.

Alfred Delp SJ

 

 

 

Liebe Verwandte, Freunde und Wohltäter!

 

Mit Riesenschritten geht es wieder Weihnachten entgegen.

 Gewöhnlich sind die Wochen und Tage davor von Unruhe und Betriebsamkeit geprägt. Es geht vielfach hektischer und gehetzter zu als sonst. So vieles ist noch zu tun, zu erledigen, vorzubereiten.

Der Advent ist zur Rennstrecke des Jahres geworden.

Eine Gemeindereferentin meinte bei einer Seelsorgekonferenz: „Weihnachten fängt für mich am 27. Dezember an.“ Und ein Pfarrer sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass man Feiertage hassen kann“. Der Trubel ums Fest verschlingt für viele das Fest selbst. 

Doch geht’s nicht so ähnlich das Jahr über weiter?

Was vielen am meisten fehlt ist Zeit. „Keine Zeit!“ Wie oft sagen oder denken wir das! Ein Tagesordnungspunkt bei unserem Konventsgespräch, das wir jeden Mittwochmorgen in der Brüdergemeinschaft von Zell haben, lautete neulich: „Zeitmanagement“.

 

Gehen wir mit der Zeit richtig um? Liegt der Zeitmangel an der mangelhaften Zeiteinteilung? Oder fehlt es an der Einstellung zum Leben? Fehlt es an der Geduld? Fehlt es an der Annahme unserer menschlichen Begrenztheit? Der Tag hat nun mal nur zwölf Stunden. Und ich habe nur zwei Hände. Auch meine Kraft ist nicht unerschöpflich. Fehlt es weithin nicht auch an Gelassenheit und Vertrauen?

 

Vor Kurzem bin ich auf eine Aussage von Maria Ward (gestorben 1645) gestoßen. Sie ist  die Gründerin der Congregatio Jesu, früher Englische Fräulein genannt:

„Meine Sorgen sind ohne Ende, aber ich lebe bis über die Ohren im Vertrauen.

 

Dieses Wort hat mir gefallen und mich sofort angesprochen. Dieser großartigen Frau hat das Leben oft übel mitgespielt. Sie kannte Sorgen und Nöte. Auch von kirchlicher Seite wurden ihr viele Prügel in den Weg gelegt. Ihre Absichten wurden verkannt. Es gab Misslingen und Scheitern.

 

„Meine Sorgen sind ohne Ende, aber ich lebe bis über die Ohren im Vertrauen.“

Ein solches Wort vermag den oft verengten Blick zu öffnen und die kurze Sicht zu weiten. Es nimmt die Angst. Es lehrt das Wartenkönnen, führt zu Geduld und hilft zu engagierter Gelassenheit. Alles Dinge, die wir brauchen und uns für das Neue Jahr wünschen dürfen.

 

Maria Ward wolltezufrieden sein mit dem, was Gott, der Allgegenwärtige, verfügen und gewähren wird, aber an nichts hängend.“

 

Zufrieden sein, an nichts hängen und bis über die Ohren im Vertrauen leben!

Ich finde ein gutes Motto für 2009. – Maria Ward wusste um Gottes gute und kluge Führung. Sie konnte alles in seine Hand legen und aus seiner Hand annehmen. Einmal sagt sie auch – und auch das passt gut zur Jahreswende: „Was nicht in einem Jahr geschieht, kann sich in einem anderen machen lassen; was mich betrifft, habe ich keine Eile; ich kann gut des allmächtigen Gottes Zeit und Stunde abwarten.“

 

Dabei war Maria Ward keineswegs passiv, untätig oder planlos. Sie wusste, was sie wollte und setzte sich dafür mit allen Kräften ein. Sie plante aber nicht ins Blaue hinein. Sie hörte auf die innere Stimme, sie lauschte dem Willen Gottes. Es ging ihr nicht um sich selbst, sondern um Gottes Absichten. Das gab ihr innere Stärke, ein bewundernswertes Selbstbewusstsein und eine hohe Selbstachtung.

 

Maria Ward nennt Gott den "Allgegenwärtigen". Dass Gott da ist immer und überall, dass wir ihm begegnen können in allen Dingen und allem, was geschieht, das sein Anruf und Zuspruch jederzeit an uns ergeht, das hat ihr Bewusstsein, ihr Tun und Leben geprägt.

 

GOTT IST DA. Das ist die tiefe Botschaft auch von Weihnachten. In der Geburt seines Sohnes sagt Gott einem jeden von uns: „Fürchte dich nicht! Ich bin bei dir. Was immer geschieht, wohin immer dein Weg dich führt, durch welches Dunkel du auch gehst, ver­traue, hab Mut, glaube: ICH BIN DA. Ich bin immer bei dir. Ich verlasse dich nicht.“

 

Diese Botschaft macht Hoffnung und schenkt Zuversicht auch für das noch unbegangene Neue Jahr. „Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

Von Martin Luther King stammt folgendes schöne und tief gehende Wort:

„Komme, was mag, Gott ist mächtig. Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in dieser Welt eine große, segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.“

 

Nun noch ein paar Bemerkungen zu mir selbst.

Wenn ich auf das Jahr 2008 zurückblicke, so tut ich es mit großer Dankbarkeit. So viele gute und schöne Erfahrungen habe ich machen dürfen, so viel Hilfe und Beistand erhalten und so oft Gottes gute Fügung und Führung erlebt – es ist wunderbar. Gott hat mir auch die nötige Gesundheit und Kraft gegeben, alle meine Aufgaben erfüllen zu können. An erster Stelle steht nach wie vor die Kursarbeit. Aber auch in der Wallfahrtskirche und in den Pfarreien der Seelsorgeeinheit Zell übernehme ich immer wieder Dienste

.

Ich bin viel unterwegs. Die Exerzitientätigkeit führt mich häufig nach auswärts. Ich empfinde das nicht als Belastung, sondern sehe auch die positiven Seiten. So komme ich viel im ganzen deutschsprachigen Raum herum. Dieses Jahr war ich zum ersten mal in Wien, eine wirklich faszinierende Stadt. Nächstes Jahr stehen Exerzitien in Kopenhagen auf dem Programm. Das finde ich spannend und ich freue mich schon darauf.

 

Höhepunkt des Jahres war zweifellos meine Teilnahme am „Frascatikurs“, einem vierwöchigen Seminar im September für deutschsprachige Kapuziner in Italien, das der Fortbildung diente. Mit fast 30 jüngeren und älteren Mitbrüdern aus der Schweiz, Südtirol, Österreich und Deutschland sowie zwei Polen und einem Afrikaner aus Madagaskar durfte ich eine wunderbare Zeit in Italien erleben, zwei Wochen in Frascati bei Rom, eine Woche in Assisi und eine Woche in Camarino. Am Vormittag standen Vorträge und inhaltliches Arbeiten an franziskanischen Themen auf dem Tagesplan. Nachmittags waren Exkursionen angesagt. Den Samstag hatten wir jeweils zur freien Verfügung.

Wir haben in Rom und Assisi die wichtigsten Orte aufgesucht und obwohl ich schon einige Male in Rom war und häufig in Assisi, habe ich dank der kundigen und guten Führung manches Neue entdeckt. Auch ist es ein großer Unterschied, so habe ich es wohltuend erlebt, ob ich selbst eine Gruppe begleite und führe und die Verantwortung habe oder ob man einfach nur Teilnehmer ist und sich einer Gruppe anschließen kann.

 

Ganz neu war für mich Camarino zwischen Assisi und Ancona gelegen und seine Umgebung. In Camarino ist heute das Noviziat mehrerer mittelitalienischer Kapuzinerprovinzen. Anfang des 16. Jahrhunderts hatten hier die ersten Kapuziner eine kleine Niederlas­sung. Man kann Camarino die Wiege des Kapuzinerordens nennen.

Hier spürten und gingen wir eine Woche lang den Ursprüngen der Kapuzinerreform und der Entstehung und Geschichte des Ordens nach. Die kleinen, kargen Zellen mit einem winzigen Fenster, mit nicht mehr als einem Bett, einem kleinen Tisch und Stuhl ohne Ofen und Heizung dazu das nasskalte Wetter in dieser Woche ließen uns das arme, einfache und asketische Leben der ersten Brüder am eigenen Leib deutlich spüren.

Am Vormittag gab es wieder Theorie, Vorträge und Gruppenarbeit, am Nachmittag Stadtbesichtigungen und Ausflüge zu franziskanisch-kapuzinischen Einsiedeleien.

Mir ging eindrücklich auf, welch große Bedeutung am Beginn der Kapuzinerreform das Leben in den Eremos hatte und welchen Raum damit verbunden die Kontemplation, das innere Beten einnahm neben der missionarischen Ausrichtung (Wanderpredigt).

An einem Nachmittag stiegen wir auch einen schmalen und steilen Waldweg zur  Einsiedelei von Albacina hinauf. Hier sind bei einem Treffen der frühen Kapuziner die ersten Konstitutionen (Satzungen) des Ordens entstanden. Man hat von hier eine wunderschöne Aussicht ins Tal und zu den gegenüberliegenden Bergen. Hier, sozusagen am Geburtsort unseres Ordens, feierten wir im Freien einen sehr schönen Gottesdienst.

Was mir auch in Erinnerung bleiben wird ist die große, staunenswerte Gastfreundschaft und die herzliche Brüderlichkeit, die wir an vielen Orten erfahren durften. Einfach so, gratis, Zugabe!

 

Ich muss sagen: Die vier Wochen haben sich gelohnt und sie haben auch gut getan.

Ich konnte manches, was ich im Noviziat oder im Studium über Franziskus und Klara, die franziskanische Spiritualität oder die Geschichte des Ordens gehört und gelesen hatte vor Ort und dadurch sehr anschaulich auffrischen, vieles vertiefen und manches durfte ich auch neu entdecken und sehen lernen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Auch das Miteinander von Kapuzinerbrüdern verschiedener Provinzen empfand ich als sehr bereichernd und schön. Das unbeschwerte brüderliche Beisammensein in gelöster und offener Atmosphäre, das gemeinsame Beten und Feiern und die Zeit, die jeder auch für sich hatte, war wohltuend.

Die vier Wochen in Italien werde ich so schnell nicht vergessen. Und die dazugehörigen Orte, Begegnungen und Erlebnisse werden wohl noch lange nachklingen.

 

 

Wohin das göttliche Kind uns auf dieser Erde führen will,

das wissen wir nicht

und sollen es auch nicht vor der Zeit fragen.

Nur das wissen wir, 

dass denen, die den Herrn lieben,

alle Dinge zum Guten gereichen.

 

Hl. Edith Stein

 

 

Herr, sei uns nah im neuen Jahr

auf allen unseren Wegen.

Schenk du uns Frieden, Trost und Schutz

und deinen reichen Segen!

 

 

Versuchen wir so gut es geht und bei allen Sorgen, Nöte und Schwierigkeiten, die es gibt, „bis über die Ohren im Vertrauen“ zu leben.

 

Vielen Dank und ein herzliches Vergelt’s Gott für alle liebe Verbundenheit, alle Wohltaten und alles Wohlwollen, das ich im vergangenen Jahr erfahren durfte.

Im Gebet an der Krippe treffen wir uns!

 

Schön wäre es und ich würde mich freuen, wenn unsere Wege sich auch im Neuen Jahr wieder kreuzen würden!

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