Exerzitien mit P. Pius

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Jahresrückblick 2012

 

Ansprache einer Kerze

 

Ihr habt mich angezündet und schaut – nachdenklich oder versonnen –

in mein Licht. Vielleicht freut Ihr Euch ein wenig dabei.

 

Ich jedenfalls freue mich, dass ich brenne. Wenn ich nicht brennen würde,

dann läge ich in einem Karton mit anderen, die auch nicht brennen.

In so einem Karton haben wir überhaupt keinen Sinn. Da liegen wir nur

herum. Einen Sinn habe ich nur, wenn ich brenne. Und jetzt brenne ich.

 

Aber seit ich brenne, bin ich schon ein kleines Stückchen kürzer geworden.

Das ist schade, denn ich kann mir schon ausrechnen,

dass ich bald nur noch ein kleines Stümpchen bin.

 

Aber so ist das: Es gibt nur zwei Möglichkeiten – entweder ich bleibe ganz

und unversehrt und im Karton, dann werde ich nicht kürzer, dann geht mir

überhaupt nichts ab – aber dann weiß ich nicht, was ich eigentlich soll –

oder ich gebe Licht und Wärme, dann weiß ich, wofür ich da bin.

 

Ich muss aber etwas dafür geben: Etwas von mir selbst, mich selber.

Das ist schöner als kalt und sinnlos im Karton zu liegen.

 

So ist es auch bei Euch Menschen, genauso.

Entweder Ihr bleibt für Euch, dann passiert Euch nichts,

dann geht Euch nichts ab,

aber dann wisst Ihr auch nicht so recht: warum.

Dann seid Ihr wie die Kerzen im Karton –

 

Oder ihr gebt Licht und Wärme. Dann habt Ihr einen Sinn.

Dann freuen sich die Menschen, dass es Euch gibt.

Dann seid Ihr nicht vergebens da.

 

Aber dafür müsst Ihr etwas geben:

von Euch selber, vor allem, was in Euch lebendig ist:

von Eurer Freude, Eurer Herzlichkeit, von Eurer Treue,

Eurem Lachen, Eurer Traurigkeit, von Euren Ängsten,

von Euren Sehnsüchten, von allem, was in Euch ist.

 

Ihr braucht keine Angst zu haben, wenn Ihr dabei kleiner werdet.

Das ist nur äußerlich. Innen werdet Ihr immer heller.

Denkt ruhig daran, wenn Ihr in eine brennende Kerze seht!

Denn so eine Kerze seid Ihr selber.

 

Ich bin nur eine kleine, einzelne Kerze.

Wenn ich allein brenne, ist mein Licht nicht groß und die Wärme, die ich

gebe, ist gering.

Ich allein – das ist nicht viel.

Aber mit anderen zusammen ist das Licht groß und die Wärme stark.

 

Und wieder: Bei Euch Menschen ist das genauso.

Einzeln ist Euer Licht nicht gewaltig und die Wärme ist klein.

Aber zusammen mit anderen, da seid ihr viel.

Licht ist ansteckend. Vergesst das nicht!

 

Manchmal geschieht es, dass im Haus plötzlich das Licht ausgeht.

Dann ist es unerwartet finster, und alle rufen nach einer Kerze.

Dann wird ein Streichholz angemacht und eine Kerze gesucht.

Und mit dem Anzünden der Kerze ist die Dunkelheit überwunden:

mit einem einzigen Licht.

 

So ist es auch wieder unter Euch Menschen.

Es ist nicht alles gut in dieser Welt.

Vieles ist finster und kalt.

Viele klagen und schimpfen darüber.

 

Manche hören überhaupt nicht auf, sich und anderen vorzujammern,

wie miserabel die heutige Welt sei und wie schlecht es insbesondere ihnen gehe.

 

Aber ein einziges Licht, das brennt, ist mehr als alle Dunkelheit.

Lasst Euch deshalb Mut machen und wartet nicht auf die anderen.

Lasst Euch anzünden! Brennt und leuchtet und wärmt!

Das ist der Sinn Eures Lebens, wie es der Sinn einer einfachen Kerze ist.

 

Und wenn Ihr Zweifel habt, ob das auch stimmt, dann zündet eine Kerze an.

Und schaut in die lebendige Flamme und begreift das Gleichnis.

                                                                            (nach Hans Albert Höntges)

 

 

 

Zell a. H im Advent 2012

 

 

 

Liebe Verwandte, Freunde und Wohltäter!

 

Als ich die „Ansprache einer Kerze“ vor Jahren zum ersten Mal in die Hände bekam, hat sie mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. Seitdem begleitet sie mich.

Heute nun kommt diese „Ansprache einer Kerze“ auch zu Dir und möchte Dich erreichen, Dich ansprechen und Dein Herz berühren.

 

Christus, das Licht, ist in unsere Welt gekommen. Das feiern wir an Weihnachten. Lichtsein ist auch unsere Berufung. Christsein heißt Lichtsein!

 

„Euer Licht soll vor den Menschen leuchten“, sagt Jesus einmal.

Aus diesen Worten höre ich die Sorge heraus, dass es zu wenig hell leuchtendes Christenleben gibt, die Sorge, dass manchmal recht wenig von diesem Licht in unserer Zeit und Welt zu sehen und zu spüren ist.

 

„Euer Licht soll vor den Menschen leuchten!“

Gottes Liebe, Gottes Güte, seine Freude und sein Frieden möchten durch uns hindurchscheinen und in unseren Worten, in unserem Verhalten, ja in unserem ganzen Leben sichtbar werden. Bote/Botin des Lichtes sein; leuchten, wo es dunkel ist, das ist unser Auftrag und unsere Sendung.

 

„Euer Licht soll vor den Menschen leuchten!“

Jesus sagt nicht, dass wir große Halogenscheinwerfer oder Flutlichtstrahler sein sollen, sondern dass wir unser Licht nicht verstecken sollen. Er will, dass wir es leuchten lassen und dadurch beitragen, unsere Umgebung ein wenig heller und wärmer zu machen.

 

„Tragt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein“,

heißt es in einem gern gesungenen Adventslied. Und in einem anderen Lied:

„Tragt in die Welt nun ein Licht. Sagt allen: Fürchtet euch nicht!

Gott hat euch lieb, groß und klein. Seht auf des Lichtes Schein!“

 

Vergessen wir nicht: wie viel Helligkeit und Wärme schon von einem kleinen Licht ausgeht! Und schon eine kleine Kerze kann manches Dunkel vertreiben.

 

Als der Krieg zu Ende war, so erzählt eine Geschichte, fand in Los Angeles eine Feier der Bürger statt. Man feierte den Frieden.

Bei seiner Ansprache sagte der Bürgermeister:

 

„Ich möchte Ihnen etwas zeigen. In wenigen Augenblicken werden die Scheinwerfer im Stadion gelöscht. Es wird hier ganz finster werden. Ich werde dann das winzige Licht eines einzigen brennenden Streichholzes hochhalten. Sie werden es alle sehen. Dann bitte ich Sie alle, auch ein Streichholz anzuzünden und das Licht hochzuhalten.“

Das Licht ging aus. Es wurde stockfinster im Stadion. Dann schauten alle auf das kleine flackernde Licht in der Hand des Bürgermeisters: rührend aber winzig.

Und dann hörte man das Rascheln der Streichholzschachteln. Und mehr als achtzigtausend kleine Lichter gingen an. Und das Stadion wurde wieder hell von all dem Licht..

„Vergessen Sie dieses Bild nicht“, rief der Bürgermeister:

„Ein Licht ist wenig, aber das Licht ist ansteckend; viele Lichter sind hell.“

 

Eine afrikanische Weisheit sagt: „Wo viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“

 

 

Erneut geht ein Jahr zu Ende. Bei mir sind es Anfang April 2013 zehn Jahre, seit ich in Zell bin. Solange war ich noch an keinem Ort zuvor.

Hier in Zell habe ich meinen Platz und meine Aufgabe und fühle mich daheim.

 

Ein besonderes Ereignis in diesem Jahr war für mich der Katholikentag in Mannheim. Ich habe im Geistlichen Zentrum mitgearbeitet und stand täglich ca. 6 bis 7 Stunden für Einzel- und Beichtgespräche zur Verfügung.

Wohnen konnte ich bei meiner Schwester und meinem Schwager.

Anfang Oktober habe ich dann im kleinen Kreis meiner Ursprungsfamilie, in Hettingen/Odenwald meinen 60. Geburtstag gefeiert.

 

Nach wie vor ist die Exerzitienseelsorge meine Hauptaufgabe, sei es hier im Haus der Begegnung (HdB) oder auch extern in Ordensniederlassungen und Exerzitienhäusern im ganzen deutschsprachigen Raum.

Ich fühle mich wohl in dieser Aufgabe, auch wenn sie mit viel Unterwegssein und längeren Abwesenheiten verbunden ist.

 

Im nächsten Jahr haben wir wieder Provinzkapitel. Im Anschluss daran gibt es gewöhnlich eine ganze Reihe Versetzungen und neue Aufgabenzuteilungen.

Ob für mich dann auch eine Veränderung fällig ist?

Im Moment bin ich gelassen und harre der Dinge, die kommen.

 

„Vom Konzert des neuen Jahres“ so lautet ein Spruch, „bekommt niemand ein Programm. Aber wir vertrauen dem Dirigenten!“ Das tue ich auch.

 

Mit Dietrich Bonhoeffer bin ich der festen Überzeugung: „Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

 

Nun danke ich für alle Zeichen der Verbundenheit und des Wohlwollens und wünsche ein gnadenreiches, von SEINEM Licht und Frieden erfülltes Fest der Geburt Christi sowie ein gutes Neues Jahr! – Möge ER uns alle behüten und SEIN liebevoller Segen mit uns sein!

 

Es grüßt Euch herzlich

 

       Euer P. Pius, OFmCap

 

 

LICHT ist stärker als Dunkel;

FREUDE mächtiger als Traurigkeit,

GÜTE beglückender als Hass.

Darum, Herr, lass uns werden zu Licht, schaff in uns eine Quelle der Freude, mache uns zu Boten des Friedens und erfülle uns mit Deiner Güte,

damit Deine Herrlichkeit weiterstrahle durch uns, hinein in die Welt.

 

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