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Evangelium
Das ist der Erbe; auf, wir
wollen ihn umbringen
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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu
den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes:
33Hört
noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der
legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob
eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete
er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes
Land.
34Als
nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den
Winzern, um seine Früchte holen zu lassen.
35Die
Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten
sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen
steinigten sie.
36Darauf
schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit
ihnen machten sie es genauso.
37Zuletzt
sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor
meinem Sohn werden sie Achtung haben.
38Als
die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das
ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir
sein Erbe in Besitz nehmen.
39Und
sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und
brachten ihn um.
40Wenn
nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen
Winzern tun?
41Sie
sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten
und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm
die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
42Und
Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift
gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er
ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen
und es ist wunderbar in unseren Augen?
43Darum
sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen
und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des
Reiches Gottes bringt.
45Als
die Hohepriester und die Pharisäer seine Gleichnisse
hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach.
46Sie
suchten ihn zu ergreifen; aber sie fürchteten die Menge,
weil sie ihn für einen Propheten hielt.
Die Lage spitzt sich zu.
Die Auseinandersetzung Jesu
mit seinen Gegnern wird immer schärfer.
Jesus droht das gleiche
Schicksal wie Johannes dem Täufer und vor ihm anderen
Propheten. Man will ihn zu Schweigen bringen.
Und so versucht Jesus seine
Widersacher durch ein Gleichnis zur Einsicht und Umkehr
zu bewegen. Er erzählt von einem Weinbergbesitzer und
von dessen Weinberg.
Jesus wählt ein Bild, das
seine Zuhörer kennen, das ihnen vertraut ist, und hofft
so Zugang zu ihren Herzen und Verständnis zu finden.
Aber Jesus konfrontiert auch.
Er stellt in seiner Erzählung die unendliche Güte und
Langmut Gottes ihrem blind zerstörerischen und
selbstgerechten Denken und Handeln gegenüber.
Der Gutsbesitzer, sprich Gott,
dem der ganze Weinberg, nämlich Israel, gehört, schickt
wiederholt Knechte, gemeint sind die Propheten, zu den
Winzern, damit diese ihm den Ertrag abgeben mögen.
Die Winzer aber antworten nur
mit Gewalt und Totschlag.
Sie verweigern dem
Gutsbesitzer nicht nur seine Früchte, schlimmer noch,
sie schlagen, steinigen und töten seine Boten.
Hat nun die Güte des
Gutsbesitzers ein Ende?
Ist es mit der Gnade Gottes
vorbei? – Nein!
Der Gutsbesitzer sendet seinen
eigenen Sohn mit der Hoffnung, dass sie diesen achten
und die Früchte bringen, die er von ihnen erwartet.
Der letzte Versuch ist der
eigene Sohn. Wird es ihm, dem letzten und endgültigen
Boten Gottes, besser ergehen?
Wir wissen, liebe Schwestern
und Brüder:
Was Jesus im Gleichnis vom
Schicksal des Sohnes erzählt, dass sie nämlich nicht auf
ihn hören, ihn missachten, verstoßen und umbringen, das
ist auch für ihn selbst schon bald bittere Wirklichkeit
geworden.
ER ist der Sohn, der nicht
erkannt worden ist, auf den man nicht gehört hat,
sondern den man kaltgestellt, den man grausam ermordet
hat.
Aber nicht der Tod hat das
letzte Wort. Christus hat uns geliebt und sich für uns
hingegeben. Durch sein Blut, durch seinen Tod am Kreuz,
durch seinen Sieg über Grab und Tod sind wir erlöst und
befreit.
Als der Evangelist dieses
Gleichnis aufschrieb, liebe Schwestern und Brüder,
blickte er bereits auf Tod und Auferstehung Jesu zurück.
Für ihn ist jetzt Jesus
„der Stein, den
die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein
geworden ist.“ (V42)
Im Glauben oder Unglauben IHM
gegenüber entscheidet sich von nun an Heil oder Unheil
der Menschen.
Das neue Gottesvolk, die
Kirche, soll bessere „Früchte“ bringen.
Es soll ein Volk sein, das
gute Früchte bringt.
Ist die Kirche, sind wir, die
wir alle selbst Kirche sind, die
„besseren Pächter“?
Bringen wir durch unser Leben jene Früchte, die der Herr
von uns erwartet?
Jeden von uns hat der Herr zu
einem Rebstock in seinem Weinberg berufen. Auch uns wird
er einmal nach unseren Früchten fragen.
Und so stellt sich die Frage:
Wie kann ich meinen Glauben
für mein Leben fruchtbar machen, vielleicht auch noch
fruchtbarer als bisher?
Keine Angst, liebe Schwestern
und Brüder, die „erwarteten Früchte“ bestehen nur
zu einem geringen Teil aus vorzeigbaren Leistungen.
Vor Gott können auch leere und
gebundene Hände – wie die ans Kreuz genagelten Hände
seines Sohnes – „erfüllt“ und „fruchtbar“ sein.
Vor ihm ist auch ein schweres
Schicksal, eine unheilbare Krankheit, ja jedes tapfer
getragene Leiden eine kostbare Frucht.
So hat jeder und jede von uns
seine und ihre Art geistiger Fruchtbarkeit.
Bitten wir Gott, dass er uns
erkennen und vollbringen lässt, was er von uns will und
erwartet.
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