In
der Lesung
aus der Apostelgeschichte erleben wir eine Zuspitzung
des Konflikts zwischen dem Hohen Rat und den Aposteln.
Der Pharisäer Gamaliel,
ein hochangesehener Gesetzeslehrer, tritt als Stimme der
Besonnenheit auf. Sein Argument ist bestechend logisch:
Wenn eine Bewegung rein menschlich ist, wird sie
untergehen; kommt sie aber von Gott, kann sie niemand
aufhalten.
Die Haltung Gamaliels fordert uns zur Gelassenheit auf:
Wir müssen nicht alles mit Gewalt kontrollieren. Was
wirklich von Gott gewirkt ist, wird Früchte tragen.
Und wie reagieren die Apostel? Trotz Auspeitschung und Predigtverbot hören sie nicht auf zu
verkünden. Ihre Freude darüber, „würdig befunden
worden zu sein, für seinen Namen Schmach zu erleiden“,
zeigt die Kraft des Auferstandenen, die stärker ist als
Angst und Schmerz.
Im Evangelium (Joh 6, 1 -15) beginnt heute die große „Brotrede“, die uns die nächsten Tage begleiten
wird.
Jesus speist 5.000 Menschen mit nur fünf Gerstenbroten und zwei Fischen, die ein kleiner Junge bei
sich hat und Jesus zur Verfügung stellt. Johannes nennt
dieses Wunder ein „Zeichen“, weil es – über das Sättigen
des Magens hinaus – auf die Person Jesu hinweist, auf
seine göttliche Herkunft und Herrlichkeit.
Auffallend sind die eucharistischen Bezüge: Jesus nimmt das Brot, spricht das Dankgebet und teilt
es selbst aus. Das erinnert unmittelbar an das Abendmahl
und die Eucharistie, in der Jesus sich selbst als „Brot
des Lebens“ schenkt.
Die zwölf Körbe mit Resten symbolisieren, dass Gottes Gabe niemals knapp ist; sie reicht für das
ganze Volk Israel (12 Stämme) und darüber hinaus. Jesus
schenkt nicht nur das Nötigste, sondern in Überfluss und
in Fülle.
Am Schluss
wollen die Menschen Jesus zum König machen, weil er ihre
materiellen Bedürfnisse stillt. Jesus jedoch entzieht
sich diesem weltlichen Machtanspruch. Sein Königtum, so
wird er vor Pilatus bekennen, ist nicht von dieser Welt.
Liebe Schwestern und Brüder!
Gamaliel erkennt, dass Gott
die Geschichte lenkt. Im Evangelium zeigt Jesus, dass
Gott die konkrete Not des Menschen sieht und handelt.
Was zeigen Lesung und Evangelium noch?
Gott braucht den Beitrag des
Menschen, auch wenn er noch so klein ist: den Rat eines
Weisen wie Gamaliel oder die wenigen Brote eines Jungen,
um Heil und Segen zu wirken für viele.